Geschichte der Zeitschrift

Aus dem Web-Impressum, Stand: 2001

Mit einer regelmäßigen Publikation an die Vereinsmitglieder und an die Öffentlichkeit heranzutreten hat in den Vereinen der Bürogemeinschaft Schottengasse eine lange Tradition. Wurde am Anfang der schon über 20-jährigen Geschichte der Arbeitsgemeinschaft für Wehrdienstverweigerung noch die reine Vereinszeitung Zivildienst herausgegeben, so brachte die Namensänderung 1982 in Gewaltfreier Widerstand eine Erweiterung der in der Zeitung behandelten Themen. Der Schwerpunkt Militärkritik wurde in einen gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang gestellt, wodurch verschiedenste Formen gesellschaftlicher und staatlicher Gewalt aufgezeigt wurden.

1989 wurde der Gewaltfreie Widerstand mit der Zeitung der Grazer ARGE für Wehrdienstverweigerung Friedolin zusammengelegt und in ZAM — Zeitschrift für Antimilitarismus umbenannt. Diese Zusammenarbeit dauerte allerdings nicht sehr lange, die Zeitung Fridolin erschien bald wieder als eigenständige Zeitung.

Nach dem Beitrittsansuchen der Bundesregierung an die EU bildete sich aus einer Zusammenarbeit der ARGE für Wehrdienstverweigerung mit anderen Initiativen ein eigener Verein, das Kritische EU Informationsbüro. Auch dieser Verein brachte bald eine eigene Zeitung heraus, das EuropaKardioGramm. Diese Zeitung widmete sich ebenso der Herrschaftskritik und nicht lediglich der Information über die EU. Die Schwerpunkte umfaßten aber neben der EU Außen- und Militärpolitik die innere Sicherheit und Kapitalismuskritik.

In den Monaten vor der Beitrittsabstimmung erreichte die publizistische Tätigkeit des EKG ihren Höhepunkt. Ein halbes Jahr lang wurde wöchentlich eine Zeitschrift mit aktuellen Informationen herausgebracht — der Euro Watch Report. Einige Wochen vor der Abstimmung erschien schließlich das EKG in einer Auflage von 100.000 Stück, die über befreundete Organisationen verteilt wurden.

Nach der Streichung der Publizistikförderung aufgrund von Interventionen der ÖVP, wuchs sich die ständige Finanzknappheit von ZAM und EKG zu einer Krise aus, die eine Zusammenlegung der Zeitungen ratsam erscheinen ließ. Doch auch inhaltlich sprach einiges für eine Zusammenarbeit und Herausgabe einer gemeinsamen Zeitung der Herrschafts- und Gewaltkritik.

Das gemeinsame Produkt ZOOM wurde nun nach einer Erweiterung um Nicht-Print Bereiche in Context XXI umbenannt, jenes Projekt, das wir Ihnen heute vorstellen.

Gewalt, Herrschaft und Kritik

Inhalt von Context XXI ist Kritik, vor allem Gewalt- und Herschaftskritik. Traditionellerweise beinhaltet diese — schon auf Grund der Vorgeschichte von Context XXI — vor allem die Kritik militärischer und polizeilicher Apparate sowie die Kritik an Rassismus und Nationalismus. Miliär und Polizei, Rassismus und Nationalismus existieren aber nicht in einem luftleeren Raum, sondern können nur vor dem Hintergrund der Gesellschaft begriffen werden, die sie hervorbringt und die sie hervorbringen. Gewalt- und Herrschaftskritik kann sich also keinesfalls auf Antimilitarismus oder auf Antirepressionsarbeit beschränken, sondern muß als Kritik geleistet werden, die versucht, die Gesellschaft in ihrer Totalität zu begreifen. Daher bemüht sich Context XXI in jüngster Zeit um verstärkte theoretische Auseinandersetzungen. Mit der Zunahme gewaltsamer Tendenzen in der Gesellschaft weitet sich das Feld der Kritik: sie wird allgemein. Context XXI kritisiert die offene Gewalt von Militär und Polizei, von Staaten und parastaatlichen Banden, weiß aber ebenso um die strukturelle Gewalt, die in der Gesellschaft im nationalstaatlichen wie auch im internationalen Rahmen herrscht. Context XXI kritisiert nicht nur die laut tönende Gewalttätigkeit einzelner Individuen und Institutionen, sondern bemüht sich ebenso um eine Kritik am stummen Zwang der Verhältnisse.

Wie diese Kritik im einzelnen inhaltlich aussieht, divergiert bei den jeweiligen AutorInnen von Context XXI. Die Zeitschrift ist kein Strömungsblatt, kein Verlautbarungsorgan einer einzelnen, inhaltlich weitgehend festgelegten politischen Gruppierung, sondern ein linkes bis linksradikales, in Grenzen pluralistisches Publikumsmedium. Unterschiedliche Standpunkte, divergierende theoretische Prämissen der Kritik und sich widersprechende Einschätzungen politischer Abläufe prägen das Medium. In Context XXI finden sich Positionen aus dem radikaldemokratischen wie aus dem autonom-anarchistischen Bereich, aus poststrukturalistischen wie aus materialistisch-wertkritischen Strömungen der Gesellschaftskritik, aus pazifistischer und grüner Richtung wie auch aus marxistischer. Menschen- und VölkerrechtlerInnen sowie FreundInnen der Zivilgesellschaft kommen ebenso zu Wort wie deren KritikerInnen. Kritische TheoretikerInnen beziehen genauso Position wie Feministinnen. Und die meisten unserer AutorInnen fühlen sich in mehreren Schubladen wohl.

Die inhaltlichen Schwerpunktsetzungen der ersten vier Nummern von Context XXI zeigen deutlich, wie stark selbst ein Periodikum, das nicht den Zwängen einer Tages- oder Wochenzeitung unterworfen ist, von aktuellen Ereignissen beeinflußt wird. In den Heften 1-2, 3, 4-5 und 6 (erscheint zu Weihnachten) dominieren der Jugoslawienkrieg, Rassismus und die Haiderei inklusive ihrer GegnerInnen. Zugleich zeigt sich hier aber auch die Differenz zum gewöhnlichen Journalismus. Der Jugoslawienkrieg etwa wird aus diesem Medium erst dann verschwinden, wenn wir den Eindruck haben, daß die maßgeblichen Positionen und Einschätzungen dazu geäußert wurden und nicht dann, wenn der News-Wert von Kriegsnachrichten zeitlich bedingt beginnt, abzunehmen. Rassismus kann in Context XXI nicht nur als antidemokratische Ideologie von rechts außen, sondern auch als integraler Bestandteil des demokratischen Systems angegriffen werden. Bezüglich der Haiderei und ihrer GegnerInnen versuchen wir, die ausgetretenen Pfade von OffensivdemokratInnen und traditionellem Antifaschismus zumindest ansatzweise zu verlassen.

Context XXI ist ein hiesiges Medium, aber beständig darum bemüht, über den Rand des Hiesigen hinauszuschauen. Die Tradition der Berichterstattung und von Analysen zu Staaten und Weltgegenden, die nicht unbedingt immer gerade im Brennpunkt des internationalen Interesses stehen, wurde und wird in Context XXI mit Artikeln zu Kurdistan, dem Sudan, Osttimor, Pakistan, Tschetschenien oder der Türkei fortgesetzt.

Dem Untertitel der Vorgängerzeitschrift ZOOM — Zeitschrift für Politik und Kultur, soll auch weiterhin Rechnung getragen werden. Was gerade in der alternativen österreichischen Medienlandschaft in der Regel seperat auftritt, wollen wir versuchen, in einem Medium zu vereinen. Gewalt- und Herrschaftskritik ist nicht nur in der politischen, sondern auch in der kulturellen Sphäre zu Hause, was sich bisher vor allem in unseren Comics-Beiträgen niedergeschlagen hat und sich in Zukunft nach Möglichkeit ausweiten soll.

Erstveröffentlichung

2001 in Context XXI Web, 2001

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