Das Juridikum ist ... Es lebe das Juridikum

von Wolfgang Beran

Ohne Zweifel hat das Juridikum im Laufe der Jahre eine große Wandlung durchgemacht. Dies sowohl, was das Selbstbild der Redaktionsmitglieder betrifft, als auch die Reaktionen von außen.

Von der ursprünglichen reinen StudentInnenzeitschrift, entstanden aus den großen Protestbewegungen an den Universitäten gegen Ende der 80er Jahre zu einer — wenn auch kleinen — so aber doch ambitionierten und seriösen alternativen Zeitschrift für JuristInnen und Angehörige anderer „Wissenschaftsdisziplinen“.

The times, they are changing

Ging es anfangs noch um Versuche, an den Universitäten eine aktive politische Bewegung von Studierenden zu fördern, um nicht zu sagen zu etablieren, so änderten sich die Rahmenbedingungen mehr und mehr zum schlechteren.

Die Schlagwörter sind leider nur allzu gut bekannt: Sparpaket, Ausgliederung, UOG 1993 u.dgl. mehr.

Außerhalb des universitären Elfenbeinturmes — auf der politischen Makroebene — feierte die Reaktion ebenfalls fröhliche Urständ. Diese Entwicklungen führten — nur beispielsweise sei hier das Gebiet der Grund- und Menschenrechte angeführt — zu einer fortwährenden Demolierung bereits erreichter Standards.

Durch diese Entwicklungen bedingt, rutschte das Juridikum immer mehr in eine Situation, in der es immer öfter nur darum ging, bereits erreichtes — so thematisierenswert auch das immer wieder war/ist — als schützenswerten Restbestand rechtsstaatlicher Standards zu erhalten, und im Rahmen unserer Möglichkeiten auf publizistischem Wege immer wieder darauf hinzuweisen.

So betrachtet erschien der bürgerliche Rechtsstaat mit allen seinen Implikationen immer öfter als die ultima ratio menschlicher Sozialisierung.

Naja ... (aber das wäre eine andere Geschichte, für die hier der Platz wirklich nicht ausreicht).

Natürlich gab es hin und wieder auch Erfolgserlebnisse und regelmäßig auch großen Zuspruch aus einem doch größeren Umfeld. All das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß das Juridikum bei Vertretern des herkömmlichen Wissenschaftsbetriebes immer eine publicatio non grata geblieben ist.

Aber auch dem läßt sich Positives abgewinnen: An seinen Gegnern soll man gemessen werden, hat mal irgendwer irgendwann gesagt; das klingt zumindest bestärkend.

Für mich persönlich begann alles 1991. Noch mitten im ersten Abschnitt rudernd kam ich zum damals noch jungen Juridikum. Die Atmosphäre in der Redaktion unterschied sich wohltuendst von derjenigen in den mir bis dahin bekannten Unisoziotopen (diese Wortwahlt trifft die Situation wohl am besten).

Das Bestreben, sich in der eigenen Auseinandersetzung mit dem Recht gerade auch mit Veränderung, Benennung von Machtverhältnissen, Thematisieren von unbequemen Themen, Demokratisierung und nicht zuletzt auch mit Fortschrittlichkeit zu beschäftigen, hat wohl alle Redaktionsmitglieder charakterisiert. Diese Gemeinsamkeit war es wohl, die dazu geführt hat, daß sich ein über die Jahre hinweg im innersten Kern doch gleichbleibender Personenkreis dazu bereiterklärt hat, die Zeitschrift unter doch großem persönlichem Einsatz immer wieder neu zu produzieren. Wann war doch gleich nochmal Mnuskriptschluß? Wann ist Drucktermin?

Ich wünsche mir, daß es möglich sein wird, das Juridikum in welcher Form auch immer fortzuführen, um so einen Beitrag dazu zu leisten, daß die durch die bestürzende (Alternativ-)Mediensituation bereits einigermaßen nachhaltig vernichtete kritische Öffentlichkeit wenigstens im Bereich der kritischen JuristInnen ein Forum behält.

Erstveröffentlichung

1999 in Juridikum 1/1999
© Wolfgang Beran

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