Tödliche Lügen

Die Kriegsverbrechen der „westlichen Wertegemeinschaft“ im Kosovo
Sendungsgestaltung: Robert Zöchling
Tödliche Lügen

Context XXI Radiosendung Nr. 18

Jürgen Elsässer, Autor der Zeitschrift konkret, veröffentlichte ein Buch mit dem Titel „Kriegsverbrechen — Die tödlichen Lügen der Bundesregierung und ihre Opfer im Kosovo-Krieg“, in dem er die Nachrichtenmanipulationen und Lügen von Regierungen und Medien der „Westlichen Wertegemeinschaft“ offenlegt, die der politischen Legitimation, ja der Ermöglichung des NATO-Krieges im Kosovo dienten. Mit der im Buchtitel genannten Bundesregierung ist zwar die deutsche gemeint — so weit ich erkennen kann, stand die österreichische jener in Sachen Manipulationen und Lügen in nichts nach. In Sachen Militäreinsatz konnte sie bloß nicht so, wie sie wollte, und arbeitet daran künftig so zu können, wie sie will — wenn man sie läßt.

Sie hören im Folgenden Mitschnitte einer Buchpräsentation durch den Autor Jürgen Elsässer, die von der Inforedaktion des Freien Radios Stuttgart zur Verfügung gestellt wurden. Daran anschließend bringen wir eine kritische Besprechung des Buches durch die Redaktion Kalaschnikov bei Radio Unerhört Marburg. Die Zusammenstellung der Sendung besorgte Robert Zöchling.

Buchpräsentation

Jürgen Elsässer: [...] Und deswegen ist es so wichtig, daß wir den letzten Krieg — der der erste Krieg der Bundeswehr war — auseinandernehmen, die Begründungen, mit denen der geführt worden ist auseinandernehmen, sie nicht durchkommen lassen mit ihren Lügen. Weil sonst wird es sehr viel schwerer werden, noch sehr viel schwerer, die weiteren Kriege, die sich schon ankündigen, zu verhindern und dagegen etwas zu tun. Deswegen und vor allem angesichts der Situation, daß die nach dem Machtwechsel in Belgrad umso mehr versuchen werden, den ganzen Krieg auf Milošević abzuschieben, ist es besonders wichtig, daß wir nicht locker lassen und daß wir sagen: Moment mal — wie ist der Krieg eigentlich entstanden? Wer hat die Schuld? Ist das der Milošević oder ist das nicht eher der Scharping, Fischer, Schröder, Blair, Clinton und so weiter? Was ich also versuche darzulegen: wie war das eigentlich vor dem Krieg? Hat die Begründung der NATO, die Begründung der Bundesregierung hinsichtlich der Lage im Kosovo gestimmt? War es da wirklich so schlimm? Und nach dem, was ich herausgekriegt habe, sind wir einfach nach Strich und Faden belogen worden. Die Lage im Kosovo war zwar schlimm, aber längst nicht so schlimm, wie es uns verdeutlicht worden ist. Der Höhepunkt des Flüchtlingselends war ein halbes Jahr vor dem Krieg — nämlich ungefähr im September 1998. Dann gab es ja das Abkommen zwischen Holbrooke und Milošević — und dann hat sich die Lage im Kosovo gebessert. Bis zum Jahreswechsel 1998/1999 ist ungefähr die Hälfte aller Flüchtlinge in den Kosovo, in ihre Dörfer zurückgekehrt. Dann gab es wohl beginnend ab ungefähr dem Jahreswechsel wieder eine Verschlechterung bis zum März — aber die Verschlechterung war lange nicht so schlimm wie die Lage etwa im September 1998. Eine Zahl genügt, um das deutlich zu machen: Im September 1998 mußten aufgrund der Kampfhandlungen zwischen serbischen Sicherheitskräften und UÇK ungefähr 50.000, meist Kosovo-Albaner, in den Wäldern übernachten. Und das ist natürlich bei Temperaturen, wo es dann auf den Winter zugeht, eine sehr unangenehme, für alte Leute auch wirklich gefährliche Sache. Unmittelbar vor dem Krieg, im März 1999, mußten nur 2.000 Leute im Freien übernachten — alle anderen sind irgendwo untergekommen. Und uns ist über die Flüchtlingszahlen — vor allem von Seiten von Scharping — nur lügenhaftes Zeug erzählt worden. Zum Beispiel hat der Scharping gesagt: im Januar 1999 wurden 300.000 Leute vertrieben. Damit hat er die offiziellen Zahlen des UN-Flüchtlingshilfswerks um das Zehnfache übertrieben (das UN-Flüchtlingshilfswerk sagt: 30.000 sind vertrieben worden).

Die Hauptlüge betrifft aber nicht die Zahlen, sondern die Hauptlüge betrifft die Zusammensetzung der Flüchtlinge. Denn natürlich hat sich die Lage im Kosovo dann ab Januar 1999 verschlechtert. Aber wer ist eigentlich geflohen — und vor wem? Und wenn man da die Zahlen studiert, kann man sehen: Von allen neuen Flüchtlingen des Jahres 1999, also in den drei Monaten vor dem Krieg, ist über die Hälfte nicht vor den Serben geflohen, sondern vor der UÇK. Das geht aus den Unterlagen des US-Außenministeriums, die ich studiert habe, einwandfrei hervor. Uns wurde es aber immer andersherum dargestellt, als ob die Leute alle vor den Serben fliehen. Ein NATO-Beamter hat da einmal eine ganz entlarvende Feststellung getroffen — der hat gesagt:

Wenn wir wissen, daß es die Serben waren, dann sagen wir: „Die Serben waren’s“. Wenn wir nicht wissen, wer es war, dann sagen wir: „Die Serben waren’s“. Wenn wir wissen, daß es die Serben nicht waren, dann sagen wir: „Wir wissen nicht, wer es war“.

Nach dem Motto läuft das Ganze ab.

Im zweiten, großen Block in meinem Buch geht es dann um die Lügen im Krieg. Weil es gab ja schon ein gewisses Unbehagen in der westlichen Öffentlichkeit, auch in der deutschen Öffentlichkeit, auch an der Basis von SPD und Grünen, ob denn die Bombardierung so sinnvoll ist. Und dieses Unbehagen wurde von Fischer und Scharping vor allem sofort mit einer massiven Propagandaoffensive gekontert und man versuchte praktisch, die Kritiker oder auch die Zweifler mundtot zu machen. Ganz zentral war da die Behauptung, daß Milošević, die Serben im Kosovo etwas ähnliches machen würden wie die Nazis im Zweiten Weltkrieg. Fischer hat gesagt, da ist ein „Schlachthaus“ im Kosovo und Scharping hat gesagt, alles was er erfährt aus dem Kosovo nach den ersten Kriegstagen, erinnert ihn an das, was die deutschen Einsatzgruppen in Polen nach dem Einmarsch gemacht haben — „die Fratze der eigenen Geschichte“, hat er gesagt. Und dieser Nazi-Vergleich ist dann auch noch mit blumigen Geschichten, die in den Köpfen der Fernsehzuschauer hängen bleiben sollten, unterfüttert worden. Und diese blumigen Geschichten haben sich durch die Bank alle als erstunken und erlogen erwiesen. Also beispielsweise die Sache mit serbischen KZs im Kosovo — ein KZ im Fußballstadion von Prishtina: keinen einzigen Hinweis gibt es dafür, auch im Nachhinein nicht. Oder der Hinweis, daß gesagt worden ist — vielleicht erinnern Sie sich — da wurden 30 Lehrer in einer Schule zusammengetrieben und vor den Augen ihrer Kinder erschossen. Gottseidank hat einige Zeit später ein französischer Journalist darauf aufmerksam gemacht, daß es im Kosovo im Umkreis von 50 Kilometern schwierig sein dürfte, 30 Lehrer zusammenzukriegen — geschweige denn in einer Schule. Oder es wurde immer wieder erzählt: Führende albanische Intellektuelle namens Soundso und Soundso sind gestern exekutiert worden. Zwei Wochen später tauchen die selben Leute, die selben angeblich massakrierten albanischen Intellektuellen in Berlin bei einer Pressekonferenz auf und berichten vom Elend im Kosovo. Oder diese wunderbare Geschichte mit Rugova, also dem sogenannten „Mandela der Kosovo-Albaner“, über den dann sehr schnell geschrieben worden ist: Ja, sein Haus ist verwüstet und er selber zittert um sein Leben. Und eine Woche später kommt im Spiegel ein Interview mit dem Mann, das die Spiegel-Korrespondentin Renate Flottau in diesem angeblich verwüsteten Haus, das aber gar nicht verwüstet war, mitten in Prishtina geführt hatte.

Da gab es einen sehr interessanten, zusammenfassenden Bericht in Arte im Jahr 2000, also ein Jahr nach dem Krieg. Da kam unter anderem eine türkische Fernsehjournalistin zu Wort, die die ganze Zeit in Prishtina war. Und da muß man dazu sagen: Aus der Geschichte — Osmanisches Reich — weiß man, das Verhältnis der Türken und der Serben ist nicht das beste, es besteht also so eine Art „historische Erbfeindschaft“. Und diese türkische Journalistin hat also gesagt, sie hat sich in Prishtina sehr unsicher gefühlt, weil nachts im Hotel sind serbische Paramilitärs durch die Gänge geschlichen und haben an die Türen geklopft — und sie hat natürlich nicht aufgemacht weil sie Angst gehabt hat, daß ihr da etwas passiert. Aber die gleiche Frau hat auch gesagt: Wenn unsere Medien behaupten, alle Kosovo-Albaner seien von den Serben vertrieben worden, dann stimmt das einfach nicht, weil sie hat mit eigenen Augen gesehen in Prishtina und in Prizren, daß das Gros der Kosovo-Albaner geflüchtet ist jeweils kurz nachdem die NATO ihre großen Bombenangriffe auf diese Städte geflogen hat. Das heißt: Die hatten mindestens genauso viel Angst vor den NATO-Bomben wie vor den serbischen Paramilitärs.

Und noch interessanter sind die Berichte eines gewissen Paul Watson. Paul Watson ist der Korrespondent der Los Angeles Times, das ist eine der führenden US-amerikanischen Tageszeitungen, zusätzlich ist er Pulitzer-Preisträger, also der ist eine Koryphäe — und der war auch die ganze Zeit im Kosovo. Und während bei uns geschrieben worden ist, ich habe da einige Zitate aneinander gereiht: zum Beispiel in der Zeit hieß es „Die Menschen in Prishtina sitzen in ihren Kellern und zittern um ihr Leben“. Der war in Prishtina, während des Krieges, und er hat auf dem Markt von Prishtina sich getroffen mit Adem Demaci. Adem Demaci war der Oberbefehlshaber der UÇK bis Februar 1999 — also einer der führenden militärischen Leute der Kosovo-Albaner, der allen Grund hätte, Angst zu haben. Aber der hat sich auf diesem Markt völlig frei bewegt und hat mit dem ein Interview geführt.

Auch interessant ist, was dieser Paul Watson herausgefunden hat über eines der größten angeblichen Massaker während des Krieges — und zwar in Izbica. Da sollen ungefähr 100 Kosovo-Albaner massakriert worden sein. Und es ist sehr schnell von CNN ein Videofilm verbreitet worden, der die Toten zeigt. Daraufhin hat das Belgrader Fernsehen seinerseits ein Fernsehteam in diesen Ort geschickt und hat gefilmt.Und da hat sich gezeigt: das Örtchen war völlig ruhig. Und das serbische Fernsehen hat einen Kosovo-Albaner, einen Ortsbewohner, interviewt und der hat gesagt, da war gar nix. Jetzt kann man natürlich denken, das ist serbische Propaganda.
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Satellitenaufnahme
Die Satellitenaufnahme des angeblichen Massengrabs in Izbica

Aber es geht ja noch weiter: dann haben die Amerikaner Satellitenaufnahmen vorgelegt, die das Örtchen Izbica zeigen kurz vor dem Krieg und dann kurz nach dem angeblichen Massaker. Und man sieht dann: kurz nach dem angeblichen Massaker sind ungefähr 70-80 Punkte auf der Wiese — Gräber, haben die gesagt. Wenn man nun jetzt aber die Videoaufnahmen vergleicht, den Amateurfilm und den serbischen Film, dann sieht man Unterschiede in der Topographie der Landschaft: die Häuser sind anders, die Hügel sind anders, das paßt nicht zusammen. Jetzt kann man ja wieder sagen: serbische Fälschung! Aber es paßt auch nicht zusammen der Amateurfilm und die Satellitenaufnahme, auch da stimmt die Topographie nicht.

Und der Paul Watson hat dann gesagt, er will’s genau wissen und er ist dann da hin gefahren. Und er hat einen Überlebenden dieses angeblichen Massakers gefunden und hat mit dem gesprochen. Und der hat ihm gesagt, was auch vorher schon alle anderen gesagt haben inklusive CNN: Ja, wir sind da von den Serben zusammengetrieben worden und dann sind wir den Hügel hochgetrieben worden und da mußten wir uns in Zweierreihen aufstellen und dann haben die uns totgeschossen. Und dann sagt der Watson: Ja, und Sie? Dann sagt der: Ja, kurz vor der Exekution — er stand schon in der Reihe — hätten die Serben zu ihm gesagt, er soll weggehen. Und dann sagt der Watson: Warum? Warum gerade der? Wie paßt das zusammen? Warum wird gerade einer übrig gelassen, der das dann berichten kann? Er sagt, er kann’s nicht auflösen, aber es ist doch eine sehr fragwürdige Sache, zumindest. Und Fakt ist: Bis zum heutigen Tag ist in diesem Ort keine einzige Leiche gefunden.

Auch wieder in ganz nackten Zahlen ausgedrückt: die Todesbilanz in den 12 Monaten nach dem Kosovo-Krieg. Es wurden umgebracht von Juni 1999 bis Juni 2000: 1.012 Menschen, großteils Serben und Roma. Weitere 945 sind verschleppt, man weiß nichts von ihnen, man muß auch da das Schlimmste befürchten — zusammen ungefähr 2.000. Damit ist der Blutzoll in den 12 Monaten nach dem Krieg genauso groß wie der Blutzoll in den 12 Monaten vor dem Krieg, obwohl damals heftige militärische Kämpfe stattfanden zwischen UÇK und serbischen Verbänden und jetzt angeblich Friede ist — und obwohl jetzt 40.000 NATO-Soldaten in dem Gebiet von der Größe Hessens stationiert sind. Und die verhindern das nicht, wollen das nicht oder können das nicht oder was auch immer — es passiert. Geflüchtet sind — da gibt es unterschiedliche Zahlen: das Internationale Rote Kreuz sagt, aus dem Kosovo sind in den letzten 12 Monaten 200.000 Leute geflüchtet. Belgrad sagt, es sind 360.000 Leute geflüchtet. Die Zahlen differieren — das könnte eventuell damit zusammenhängen, daß sich viele Flüchtlinge gar nicht mehr registrieren lassen, weil sie sowieso keine Unterstützung vom verarmten jugoslawischen Staat bekommen können. Aber auch wenn man jetzt die niedrigere Zahl nimmt vom Internationalen Roten Kreuz, 200.000 Geflüchtete und Vertriebene, Serben und Roma und so weiter, dann muß man sagen: Mehr als die Hälfte, weit mehr als die Hälfte der Minderheitenbevölkerung — der Nicht-Albaner — ist aus dem Kosovo unter den Augen der NATO vertrieben worden. Vor dem Krieg gab es auch schlimme Vertreibungen, aber der Prozentsatz von vetriebenen Kosovo-Albanern lag allerhöchstens bei 10 Prozent — also das prozentuale Verhältnis ist sehr, sehr viel schlimmer. Und jetzt frage ich Sie: Haben Sie ein mal in dieser Zeit nach dem Krieg die Begriffe im Fernsehen oder in der Presse gehört oder gelesen, mit denen wir damals, vor dem Krieg, emotionalisiert worden sind? Also: „ethnische Säuberungen“, „Völkermord“, „humanitäre Katastrophe“? Gab es einen einzigen Prominenten-Aufruf für die vertriebenen Serben oder Roma? Gab es irgend eine prominente Frauenorganisation, die sich um die verschwundenen Frauen, die jetzt massenhaft in die sexuelle Sklaverei verschleppt werden, kümmert? Gab es einen Spendenaufruf, gab es wenigstens eine Sondersendung nach der „Tagesschau“, die es damals immer wieder gab, als die Serben noch dran waren? Es gab nichts. Und das ist der doppelte Standard und das ist die Heuchelei, die diese ganze Kriegsbegründung ad absurdum führt.

Das Vorwort ist übertitelt mit „Ozeanien führt Krieg“. Ozeanien ist ein Begriff, den George Orwell in 1984 verwendet und daher habe ich auch das Motto, das ich dem Vorwort vorangestellt habe:

Krieg ist Frieden, Freiheit ist Sklaverei, Unwissenheit ist Stärke.

So das Motto aus George Orwells „1984“. Im Jahr 2000 ist die Erinnerung an 1984 ausgelöscht. 1984 — da hatten wir richtig Angst vor 1984. Damals bereitete die gerade ein Jahr zuvor gewählte Regierung Kohl eine Volkszählung vor. Wir fürchteten die Herrschaft des „Big Brother“ und agitierten für einen Boykott. „Wir“ — dieses Pronomen stand für alle, die irgendwie links oder pazifistisch waren: von den Enkeln Willy Brandts bis zu den Kindern von Karl Marx und Coca Cola und den Wortführern — besser: Wortführerinnen — der Grünen, Petra Kelly und Jutta Ditfurth. Wie lange ist das her? 16 Jahre? Das kann nicht sein. Es muß eine Ewigkeit her sein. Dazwischen liegen die deutsche Wiedervereinigung und der Krieg — jedenfalls ist heute alles, alles anders. Petra Kelly ist tot. Jutta Ditfurth schreibt für die Neue Revue. „Big Brother“ ist keine Schreckensvision mehr, sondern eine hippe „reality show“. Privatsphäre — das ist etwas von gestern. Gegen Helmut Kohl wird ermittelt und ein Enkel von Willy Brandt regiert die Berliner Republik. Statt zur Demo geht man zur Love Parade. Das „Wir“ hat sich aufgelöst, einer von „uns“ ist Außenminister. Vieles ähnelt „1984“: Es gibt das „Ministerium für Liebe“, dessen Beamte Flüchtlinge manchmal so heftig umarmen, daß ihnen die Luft wegbleibt. Es gibt das „Ministerium für Frieden“, das sich mit dem Krieg befaßt. Es gibt das amtliche „Neusprech“, dessen Wörter meistens das Gegenteil bedeuten: „humanitäre Intervention“ etwa heißt ein elfwöchiger Bombenkrieg, ermordete Zivilisten werden als Kollateralschäden bezeichnet und Terroristen firmieren als „Befreiungskämpfer“. Eine Zeit lang sendeten alle Kanäle den Zwei-Minuten-Haß gegen einen gewissen Slobodan Milošević, wie Orwells Emmanuel Goldstein ein „Feind des Volkes“. Und ein „Gedankenverbrechen“ beging schon der, der auch nur einen Augenblick zögerte, diesen Milošević mit den „doppel-plus-guten“ Begriffen des „Neusprech“ zu bezeichnen: „Diktator“, „Mörder“, „Schlächter“. Weiß überhaupt noch jemand, daß ein Staatsmann „Ozeaniens“ diesen Milošević vor einigen Jahren als „Lincoln des Balkans“ gepriesen hat, daß Milošević noch 1995 in Dayton ein geschätzter Vertragspartner war, daß Belgrad — anders als Zagreb — Hitler getrotzt und — anders als Tirana — mit Stalin gebrochen hatte, daß die Serben Juden, die vor den Nazis und Albaner, die vor Enver Hoxha flohen, bei sich aufnahmen? In Orwells Roman lautet das Motto der „Big Brother“-Einheitspartei:

Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft, und wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit.

„Was jetzt wahr war“, schreibt Orwell, „blieb wahr für alle Zeiten“:

Es war ganz einfach. Es erforderte nichts weiter als eine nicht abreißende Siegesserie über die eigene Erinnerung. „Realitätskontrolle“ nannte man das — im Neusprech „Doppeldenk“

Die Realitätskontrolle war erfolgreich, die Vergangenheit ist umgeschrieben, die Lügen sind akzeptiert. Schon die nächste Generation unserer Schulkinder wird lernen: Die schlimmsten Massaker der Einsatzgruppen fanden in Racak und Isbica statt, der Völkermord begann lange vor dem März 1999, der Führer in Belgrad hatte es so gewollt. Und in der Geschichtsstunde über Milošević’ „Endlösung“ wird die Rampe von Srebrenica behandelt — und aus dem andächtigen Schweigen im Klassenzimmer kommt die Frage: „Auschwitz“, ist das nicht der jüdische Name für „Kosovo Polje“?

„Der Tod ist ein Meister aus Serbien“ — der Autor dieses Poems heißt Rudolf Scharping. Er war der erste Politiker, der den „Völkermord im Kosovo“ und die „serbischen KZs“ ersann. Er stellte den Weltrekord von „30.000 Ermordeten in Srebrenica“ auf und erfand zusammen mit Joseph Fischer den Hufeisenplan. Unübertroffen bleibt die Kraft seiner Bildersprache: Serben, die albanische Föten grillen und mit den abgeschlagenen Köpfen ihrer Gegner Fußball spielen — darauf sind selbst Madeleine Albright und Tony Blair nicht gekommen. Niemand lacht — im Gegenteil, obwohl es Grund genug gäbe: 1996 ist Rennradfahrer Scharping auf den Kopf gefallen, im gleichen Jahr hat er die soziale Lage in Deutschland mit dem Elend in Mexiko verglichen. Über den Vorkriegs-Scharping war viel gespottet worden. In einer Zeitung hieß es — ich zitiere:

In der Partei nennen sie ihn „Sandmännchen“, unter den Erbarmungslosen heißt er „Trocken Brot“.

Eine andere Zeitung schrieb damals:

Hat ein deutscher Politiker in diesem Jahrzehnt mehr vernichtende Niederlagen erlitten? Kanzlerkandidat der SPD war er einmal, Parteivorsitzender, Fraktionschef. Alle drei Positionen hat er schmachvoll räumen müssen. Die vita von Rudolf Scharping liest sich wie ein Katastrophenbericht.

Und der Publizist Henryk Broder schrieb im Jahr 1995, also auch vor dem Krieg:

Der schlimmeste Exzeß, an dem Scharping je teilgenommen hat, war eine Skatrunde, deren Verlierer eine Runde „Asbach Uralt“ ausgeben mußte.

Der Kriegs-Scharping erntete die Lorbeeren, die dem Vorkriegs-Scharping versagt geblieben waren. Am 26. März 1999, zwei Tage nach Kriegsbeginn, sagte ausgerechnet Gregor Gysi — ich zitiere:

Scharping legt eine Form der Distanz zu seinem Amt und einen Grad der Zivilität an den Tag, die ihn von manchem Amtsvorgänger unterscheidet.

Ein anderer schrieb, in der BZ aus Berlin:

Im Blendlicht der Kriegsblitze steht unser Verteidigungsminister ausgezeichnet seinen Mann. Es ziehe den Hut, wer noch einen trägt.

Das war am 30. März 1999, zwei Tage nachdem Scharping der ersten „KZs“ gesichtet hatte.

Ein anderer schrieb:

Der zurückhaltende Verteidigungsminister wird in diesen Tagen gelobt wie kein anderes Regierungsmitglied. Und schon wird geschrieben, der Verteidigungsminister könne zum Reserve-Kanzler aufrücken, wenn er sich nur bewähre.

So die Berliner Zeitung nach einer Woche Krieg. Nach einer weiteren Woche, in der die Bundesregierung das Weltpatent auf den angeblichen serbischen „Hufeisenplan“ erworben hatte, war auch der letzte Kritiker überzeugt — ich zitiere:

Zwei deutsche Politiker, eine Überraschung: Jetzt erweisen sich beide, Fischer wie Scharping, in kritischer Zeit als verläßliche Politiker, die Vertrauen verdienen — beruhigend für alle, auch und gerade für die, die Scharping und Fischer nicht gewählt haben.

So damals die Bild-Zeitung.

Vom Flensburger Tagblatt über den Oberammergauer Liebfrauenboten bis hin zum jetzt zitierten Hamburger Abendblatt waren sich alle einig — ich zitiere:

Scharping, Schröder und Fischer wachsen über sich hinaus.

Wer noch Fragen stellte bekam vom Verteidigungsminister zu hören:

Unsere Soldaten brauchen Rückhalt im Parlament und in der Öffentlichkeit. Dieser Rückhalt könnte durch Debatten geschmälert werden.

Die intellektuellen Bodentruppen parierten, die Opposition seiner Majestät schwieg. Es herrschte Krieg.

So ist die Lage der Nation nach dem ersten Sieg im dritten Krieg bis heute. Deswegen darf das heir vorgelegte Buch auf keinen großen Zuspruch hoffen. Sicher: Die Recherchen in Brüssel wie in Belgrad zum „Hufeisenplan“, zu den Toten von Racak oder zu Rambouillet haben viel neues Material zutage gefördert. Sicher: Die zusammengetragenen Indizien dafür, daß Scharping dem Bundestag nicht nur veraltete sondern auch gefälschte Massaker-Fotos gezeigt hat, würden ihn in einer funktionierenden bürgerlichen Demokratie um sein Amt fürchten lassen. Doch leben wir überhaupt noch in einer solchen bürgerlichen Demokratie? Herrscht hier nicht viel eher der „Engsoz“, der schon von Orwell befürchtete, bösartig mutierte Sozialismus? Immerhin stehen an der Spitze der NATO allesamt Politiker mit linker, ja linksradikaler Vergangenheit: Clinton hat den Kriegsdienst in Vietnam verweigert, Solana wollte noch Anfang der 80er Jahre die NATO abschaffen, der Trotzkist Jospin strebte die Permanente Revolution an und Fischer trainierte mit seiner Putzgruppe den militanten Straßenkampf. Doch der „Engsoz“ des Jahres 2000 ist nicht wie in „1984“ eine Verfallsform des Kommunismus, sondern der Sozialdemokratie. Als „neue Mitte“ hat sie sich mit den entfesselten Kapitalkräften und dem Militär verbündet, verfolgt aber auf dieser Grundlage — Marx zum Hohn — immer noch die alten Ziele: die Zerstörung von Nation und Staat. Weg mit den Gesetzen — nur der totale Markt macht uns frei! Nieder mit der Republik — es lebe das Imperium der Menschenrechte! De Gaulles Europa der Vaterländer geht unter in Fischers „Europäischer Union der Stämme“. Die Entwicklung kommt ganz gut in den Wunschvorstellungen der amerikanischen Publizistin Susan Sontag zum Ausdruck — sie schrieb während des Krieges:

Was wenn die französische Regierung anfinge, Korsen in großer Zahl umzubringen und den Rest aus Korsika zu vertreiben? Oder wenn die Italiener begännen, Sizilien oder Sardinien zu entvölkern, und eine Million Menschen zu Flüchtlingen machten? Oder wenn Spanien sich dafür entschiede, über die rebellische Bevölkerung des Baskenlandes eine „Endlösung“ zu verhängen? Wären wir uns da nicht einig, daß ein Zusammenschluß der Mächte des Kontinents das Recht haben müßte, die französische, italienische, spanische Regierung mit militärischer Gewalt zur Rücknahme dieser Politik zu zwingen?

Brutaler als die gefügige Susan Sontag hat noch nie jemand formuliert, wie Frankreich, Italien oder Spanien nach dem jugoslawischen Vorbild zur Raison gebracht werden könnten: von einem Zusammenschluß der Mächte des Kontinents, an dessen Spitze todsicher jene kontinentale Großmacht stünde, die Frau Sontag nicht nennt, nämlich Deutschland.

Über allem wölbt sich das „Neusprech“ der „political correctness“. Im Namen der Multikulturalität wurde 10 Jahre lang Krieg gegen Jugoslawien geführt, in dessen Ergebnis ausschließlich „ethnisch reine“ Staaten entstanden. Nur das übrig gebliebene Serbien bewahrt bis heute seine Multiethnizität. Das Völkerrecht, Fundament des Abendlandes seit dem Westfälischen Frieden, erlag dem moralischen Overkill der Kosovo-Befreier. Aber auch das individuelle Recht, das seit der Magna Carta die Staatsgewalt an den Grundsatz in dubio pro reo — „im Zweifel für den Angeklagten“ — knüpft, hält den Betroffenheits-Kampagnen in „Ozeanien“ nicht stand. Längst ist das Prinzip — egal ob es um Kinderschänder, Hundebesitzer oder Schurkenstaaten geht — ins Gegenteil verkehrt: „schuldig bei Verdacht“. Wer ins Fadenkreuz von CNN oder Bild-Zeitung gerät ist vogelfrei, egal ob Präsident von Jugoslawien oder Prinz von Hannover. Der Zusammenbruch der Potsdamer Ordnung am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts mündet wie der Zusammenbruch der Wiener Ordnung am Ende des neunzehnten in einen entfesselten Imperialismus. Weltweit werden die Einflußzonen neu verteilt. Das politische Personal, das in der „guten alten Zeit“ die Geschäfte führte, kalkuliert die eigenen Nationalinteressen zu nüchtern als daß es bei diesem risikoreichen Hauen und Stechen noch Verwendung finden könnte. Bismarck mußte weichen: Niemals hätte er 1914 wegen einer Schießerei in Sarajevo die Knochen auch nur eines Pommerschen Grenadiers riskiert. Auch heute gilt: Konservative sind out, Abenteurer sind in. Was kümmern schon die Skrupel der knorrigen, alten Sozialdemokraten aus der Ära der Entspannungspolitik? Wer sind schon Helmut Schmidt, Peter Glotz oder Egon Bahr? Auch über die Einwände der Militärs setzt sich ein Zivilist wie Scharping, der bisher nur an einer Schießbude auf der Kirmes ein Gewehr in der Hand hatte, spielend hinweg. Brigadegeneral Heinz Loquai, Deutschlands Top-Mann bei der OSZE, hat nachgewiesen, daß es keinen serbischen „Hufeisenplan“ gab. „Wege in einen vermeidbaren Krieg“, heißt es im Titel seines Buches. Als Georg Leber noch Verteidigungsminister war, schwärmten die Sozialdemokraten vom „Staatsbürger in Uniform“ — für Scharping eine unerträgliche Vorstellung. General Loquai wurde nach diesem Buch entlassen. Nicht verdeutlicht die Auflösung der politischen Lager stärker als die Tatsache, daß die Rot-Grünen beim ihrem Kriegskurs selbst von aggressiven Deutschnationalen wie Voscherau, Augstein, Stoiber und Dregger zum Bremsen aufgefordert wurden — ohne Erfolg. Und die radikalste Kritik, die im Bundestag an Scharping und Fischer geäußert worden ist, kam nicht von Christian Ströbele oder Gregor Gysi, sondern vom Christdemokraten Willy Wimmer — der CDU-Mann hat gesagt:

Noch nie haben so wenige so viele so gründlich belogen wie im Zusammenhang mit dem Kosovo-Krieg. Dafür sind Menschen gestorben.

Mit diesem Zitat eines CDU-Mannes schließt mein Vorwort. Das wäre mir 1984 nicht passiert. Aber die Zeiten haben sich geändert. Wir schreiben jetzt „1984“ und „Ozeanien“ führt Krieg.

Besprechung des Buches

Sie hören jetzt die angekündigte Besprechung von Jürgen Elsässers Buch „Kriegsverbrechen — Die tödlichen Lügen der Bundesregierung und ihre Opfer im Kosovo-Krieg“ durch die Redaktion Kalaschnikov bei Radio Unerhört Marburg:

Rüdiger hat den größten Mangel dieses Buches eben schon bei geschlossenem Mikrofon mal kurz benannt:

[Rüdiger, aus dem Off:] Ja, auf der Vorderseite des Buches ist Rudolf Scharping abgebildet, der mal wieder ausgesprochen bekokst durch die Gegend schaut.

Und damit kauft dieses Buch ja wieder keiner, jedenfalls keiner, dessen Geschmack noch einigermaßen zurechnungsfähig ist.

Über die „tödlichen Lügen der Bundesregierung und ihre Opfer im Kosovo-Konflikt“ hat Jürgen Elsässer ein Buch mit dem knappen Titel „Kriegsverbrechen“ vorgelegt. Es enthält laut Ankündigung des Autors unter anderem neues Material über die Ereignisse in Srebrenica, neue Indizien dafür, daß Rudolf Scharping dem Bundestag gefälschte Massaker-Fotos präsentiert hat, Informationen zur Rolle der deutschen und österreichischen Geheimdienste bei der Entstehung des berüchtigten „Hufeisen-Planes“ und — an dieser Stelle natürlich besonders interessant — eine Kritik der Fehler der deutschen Friedensbewegung.

Viel neues Material wird also versprochen — und es wird auch vorgelegt. Jürgen Elsässer hat sich die Arbeit an seinem Buch offensichtlich nicht leicht gemacht und es überkommt mich ein leises Gefühl der Ungerechtigkeit wenn ich sagen muß, daß es trotz der Materialfülle und des Aufwandes überraschend wenig interessant ist. Der Klappentext preist das Buch an als eine „unverzichtbare Enzyklopädie für alle, die nach überprüfbaren Fakten gegen die tödliche Propaganda suchen“. Es handelt sich im besten Sinne um Geschichtsschreibung, den Versuch darzustellen, was war, was tatsächlich geschehen ist, dafür Quellen und Belege zu liefern. Also ein auf jeden Fall sinnvolles Unternehmen — und die Unlust, sich mit neuem Material zu alten Ereignissen zu beschäftigen, sollte man überwinden. Auch wenn an jenen Ereignissen nichts mehr zu ändern ist, ist auch die nachträgliche Entlarvung der Regierungs-Lügen nützlich. Der Umbau der Bundeswehr zu einer weltweit interventionsfähigen Truppe steht schließlich immer noch relativ am Anfang und es kann nicht schaden, die Tricks zu kennen, mit denen die Bundesregierung diesen letzten Krieg gerechtfertigt und durchgesetzt hat. Zum Beispiel: Srebrenica. Den Kämpfen, die vor fünf Jahren dort stattgefunden haben, widmet Elsässer ein Kapitel, denn — so Elsässer — entscheidend für die erste Teilnahme Deutschlands an einem Krieg seit 1945 war vor allem ein Ereignis: der angebliche „serbische Völkermord“ im Juli 1995 im bosnischen Srebrenica. Bis dahin habe das Axiom gegolten, niemals dort Bundeswehr-Soldaten einzusetzen, wo einst die Wehrmacht gewütet hatte. Nachdem aber UN-Blauhelme, so ein Zitat von Rudolf Scharping, „zusehen mußten, wie in Srebrenica 30.000 Menschen umgebracht worden sind“, nachdem der SPD-Politiker Freimut Duve die „Rampe von Srebrenica“ ausgemacht haben wollte, konnte das nicht mehr gelten — solchen Massakern dürfe man nicht tatenlos zuschauen. Elsässer hat sich die Mühe gemacht, die wilden Behauptungen und Vermutungen über das, was in Srebrenica vorging, minutiös zu prüfen. Seine Darstellung macht plausibel, daß es sich nicht einfach um ein „serbisches Massaker“ handelte, sondern um ein „relativ normales“ Kriegsgeschehen mit der für solche Situationen „relativ normalen“ Grausamkeit. Elsässer:

Die meisten Opfer dürften indes durch serbische Kugeln ums Leben gekommen sein, aber — anders als die westliche Öffentlichkeit annimmt — nicht nur durch Massaker und Exekutionen, sondern auch in erbitterten Gefechten.

Die Belegstellen zu Elsässers Argumentation in diesem Kapitel umfassen zwei Seiten. Gegen diesen Tatsachenbefund sachlich etwas einzuwenden dürfte schwierig sein.

Wir haben nun den empirisch untermauerten Beleg dafür, daß Politik und veröffentlichte Meinung hierzulande ein grausames, aber nicht außergewöhnliches, gegenseitiges Bürgerkriegsgemetzel zu einem allein einer Seite anzulastenden Kriegsverbrechen stilisierten, um damit die Kriegsfähigkeit der Bundeswehr weiter zu fördern. Die Frage ist nun: Was macht man damit?

Es gab ja bereits vor fünf Jahren genügend Anhaltspunkte dafür, daß an der gewissermaßen „offiziellen“ Darstellung der Ereignisse in Srebrenica etwas nicht stimmen konnte, und wer bei Duves Auschwitz-Assoziation nicht stutzig wurde, dem dürfte schwerlich mit der detailliertesten Faktendarstellung zu helfen sein. Dennoch behauptet Elsässer nicht zu Unrecht, daß die Position der Kriegsbefürworter ernsthaft nur zu schwächen gewesen sei, wenn man ihre Faktendarstellung bestritten hätte. Das Dumme ist nur, daß Elsässers Buch im Oktober 2000 erschienen ist und nicht im Oktober 1995 oder 1996. Wer so fest wie Elsässer auf die (Zitat) „Wucht der Empirie“ vertraut muß sich fragen lassen, wie es denn zu machen wäre, daß diese Wucht auch einmal rechtzeitig ihre Wirkung entfaltet und nicht immer erst dann, wenn Zeit zu gründlicher Recherche und Aktenstudium gewesen ist — also zu spät. Die „Wucht der Empirie“ — so Elsässer — demonstrierte im Frühjahr 2000 einer von Scharpings Generälen, Heinz Loquai. Sein Kosovo-Buch ist ganz auf die Aktenlage konzentriert. Tja, eben im Frühjahr 2000 — und eine „Aktenlage“ gibt es meistens erst im Nachhinein.

Und daß es eine pazifistische Kritik des NATO-Krieges gegeben hat, die über die von Elsässer unterstellte Beschränkung auf die „edle Gesinnung“ entscheidend hinausging, hat er vielleicht bloß nicht mitgekriegt. So haben sich beispielsweise die Veröffentlichungen der DFG-VK Hessen vom Frühjahr 1999 trotz mangelnden Bezugs auf eine „Aktenlage“ als recht zutreffend erwiesen — diese Bemerkung können wir uns an dieser Stelle denn doch nicht verkneifen.

Eine gravierendere Schwachstelle hat Elsässers Buch jedoch dort, wo er zur „Legitimität von Kriegen“ Stellung nimmt. Dort verfestigt sich ein unangenehmer Eindruck, den schon die Lektüre der Recherchen zu Ereignissen in Srebrenica oder Racak hinterlassen hat. Das — wie gesagt — wahrscheinlich richtige Bild der „normalen Kriegsgrausamkeit“ liegt bedenklich nahe bei der Vorstellung von einem „geordneten“ Krieg, geführt unter Beachtung aller Regeln des Völkerrechts, gegen den man ja eigentlich dann nichts mehr einzuwenden hätte. Das wäre eine liberale Vorstellung. Aber Elsässer ist kein Liberaler, er geht weiter: indem er von „legitimen Kriegen“ spricht. Schließlich, so Elsässer, haben ja seinerzeit sogar Karl Marx und Friedrich Engels die Kriegsziele des Nordens im amerikanischen Bürgerkrieg unterstützt. Das gute, alte Klassiker-Argument erfreut sich nach wie vor einiger Beliebtheit. Indem er von den Zielen eines Krieges auf dessen — historische, könnte man ergänzen — „Legitimität“ schließt, erweist sich Elsässer als guter, marxistischer Geschichtsteleologe: Hauptsache, die Menschheit entwickelt sich weiter. Damit vertritt Elsässer nicht nur ein „ius in bello“ — also die Vorstellung, ein Krieg könne nach den Regeln des Völkerrechts einigermaßen geordnet geführt werden, sondern geradezu das „ius ad bellum“ — das „Recht zum Kriege“. Damit allerdings nimmt er seiner Kritik des NATO-Krieges ohne es zu merken die Spitze, denn der Weltgeist hat leider schon lange nicht mehr gesprochen und über die wünschenswerte Richtung der Menschheitsentwicklung, damit aber auch über die Maßstäbe zur Beurteilung der „Legitimität“ von Kriegen, herrscht größere Uneinigkeit. Darüber hinaus verliert Elsässer mit dieser Argumentation das Recht, sich über „Rambo-Typen“ wie den im Buch erwähnten Bundeswehr-Offizier im Kosovo zu empören. Auch Elsässers „legitime“ Kriege werden nicht anders gewonnen als durch den Einsatz von Typen, die abdrücken, auf Befehl und gezielt.

Es kann nach alledem auch nicht überraschen, daß Elsässer, staatsfixiert wie nur je ein Marxist, die Opposition der jugoslawischen Anti-Kriegs-Gruppen ignoriert. Jugoslawische Opposition, das sind natürlich die vom Westen mehr oder weniger unterstützten, mehr oder weniger gekauften Parteien, Zoran Đinđić an der Spitze — aber eine tatsächlich unabhängige Anti-Kriegs-Bewegung hat es bei Elsässer nicht gegeben und das ist tatsächlich ein weiterer, gravierender Mangel des Buches. So erklärt es sich dann auch, daß Elsässer am Ende tatsächlich zu einer Formulierung wie „Solidarität mit Jugoslawien“, die angeblich Not täte, um weitere NATO-Kriege zu ver- oder zumindest behindern, finden kann. „Solidarität mit Jugoslawien“ — was soll das eigentlich heißen? Es ist im Prinzip nicht anderes als das selbe Muster, das auch Gabi Zimmer bedient wenn sie sagt: „Ich liebe Deutschland“. Natürlich wird Elsässer vehement bestreiten, Deuschland zu lieben, aber die Solidarität mit Staatsgebilden ist schließlich eine so abstrakte Formulierung, daß man sich darunter vorstellen kann, was immer man gerade will. Wir halten es vielleicht dann doch eher mit der Solidarität mit Anti-Kriegs-Gruppen, mit pazifistischen Gruppen, mit antimilitaristischen Gruppen als einem konkret anzusprechenden Partner, der vielleicht auch Fehler macht, der vielleicht nicht immer die treffendste Analyse hat, dem man aber dann immerhin diese Fehler auch konkret nachweisen kann. Das wäre tatsächlich ein Ansatz, der vielleicht geeigneter ist, NATO-Kriege in Zukunft zumindest zu behindern, als Elsässers staatsfixierte „Solidarität mit Jugoslawien“.

Trotz dieser angesprochenen Mängel ist Elsässers Buch für diejenigen Leute, die nach Fakten über das, was denn wahrscheinlich tatsächlich passiert ist, suchen, durchaus ein nützliches Handwerkszeug.

Wir danken der Inforedaktion des Freien Radios Stuttgart und der Redaktion Kalaschnikov bei Radio Unerhört Marburg für die Bereitstellung ihrer Beiträge. Die Zusammenstellung besorgte Robert Zöchling. Musik: Ausschnitte aus den Stücken „Sensible“, „Hop“ und „Rhinoceros“ von der CD „Acoustic Quartet“ mit Louis Sclavis, Dominique Pifarély, Marc Ducret und Bruno Chevillon. Zahlreiche Texte zu Kriegen und gesellschtlicher Situation in den Gebieten Ex-Jugoslawiens und zum Zustand der „WestlichenWertegemeinschaft“, die sie provoziert und geführt hat, aus unserer eigenen Zeitschrift und aus den Zeitschriften radiX, Streifzüge und Weg und Ziel sowie Links zu weiteren, relevanten Texten im World Wide Web finden Sie in unserem Internet-Medium.

Erstveröffentlichung

April 2001 in Radio Orange 94,0
© Robert Zöchling

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Jürgen Elsässer bei Wikipedia

Elsässer als Redner bei LEGIDA, Oktober 2015

Jürgen Rainer Elsässer (* 20. Januar 1957 in Pforzheim) ist ein deutscher Journalist, Publizist und politischer Aktivist.

Von etwa 1975 bis 2008 war er Artikelautor, Redakteur und/oder Mitherausgeber verschiedener linksgerichteter Printmedien wie Arbeiterkampf, Bahamas, Jungle World, junge Welt, konkret und Neues Deutschland. Von 1990 bis 2002 vertrat er antideutsche, ab 2003 antiimperialistische Positionen in der deutschen radikalen Linken.

Seither wandte er sich allmählich immer mehr dem Rechtspopulismus und dem Rechtsextremismus zu. 2009 gründete er eine „Volksinitiative gegen das Finanzkapital“, die für Neue Rechte offenstand. Seit Ende 2010 ist er Chefredakteur des Monatsmagazins Compact. 2014 und 2015 trat er bei den Mahnwachen für den Frieden, beim Dresdner Demonstrationsbündnis Pegida und seinem Leipziger Ableger Legida auf. Seit 2016 positioniert er Compact als Wahlkampforgan für die rechtspopulistische Partei Alternative für Deutschland (AfD). Er vertritt anti-amerikanische, homophobe und rassistische Positionen, die er mit einer Querfront möglichst weit verbreiten will. Einige seiner Aussagen werden als antisemitisch eingestuft.

Journalist in der deutschen Linken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elsässer war nach seinem Studium zunächst als Gymnasiallehrer tätig.[1] Anfang der 1980er Jahre wurde er Mitglied des Kommunistischen Bundes (KB) in Stuttgart und schrieb für dessen Zeitung Arbeiterkampf. Mit seinem Artikel „Warum die Linke antideutsch sein muß“ (1990) begründete er diese Strömung in der radikalen Linken mit. In den 1990er Jahren gab er die Zeitschrift Bahamas der Gruppe K mit heraus.[2]

Anfang der 1990er Jahre bekämpfte Elsässer nationalistische Tendenzen in der Linken, kritisierte die Deutsche Wiedervereinigung als „Anschluss“ der DDR und warnte vor deren politischen Folgen (Abbau des Sozialstaats in Deutschland, Großmachtstreben Deutschlands in Europa, Geschichtsrevisionismus in Bezug auf die NS-Zeit).[3] In einem konkret-Artikel meinte er 1995, gegen die „Tiraden“ des Historikers Ernst Nolte (gemeint waren dessen Aussagen seit dem Historikerstreit von 1986/87) helfe kein Argumentieren, nur „eine aufs Maul“; gegen Antisemitismus hülfen keine Aufsätze, nur „Baseballschläger“. Noltes Aussagen hätten das Programm der rechtsextremen DVU vorbereitet. Dieser Gewaltaufruf wurde damals öffentlich kaum beachtet.[4]

Elsässers Buch Antisemitismus – das alte Gesicht des neuen Deutschland (1992; 2003) und sein Aufsatz Ehrbarer Antisemitismus? (1994)[5] wurden zustimmend rezipiert, etwa seine Hinweise auf das auch in gemäßigten deutschen Parteien fortbestehende Stereotyp des Weltjudentums, auf „zahlreiche Versatzstücke des Antisemitismus in linker Propaganda“[6] und auf die Selbstkritik der Revolutionären Zellen, auch die Linke sei nicht vor Antisemitismus gefeit, weil es bei der Flugzeugentführung 1976 durch palästinensische und deutsche Terroristen zur „Selektion“ jüdischer Mordopfer nach „völkischen Richtlinien“ gekommen war.[7]

Von 1994 bis 1997 war Elsässer Redakteur der Zeitung junge Welt,[8] von 1. April bis 19. Oktober 1994 zusammen mit Kathrin Gerlof und Günter Kolodziej auch deren Chefredakteur.[9] Nach einem Konflikt mit der Geschäftsführung der jungen Welt, die eine orthodox-kommunistische Ausrichtung anstrebte,[2] gründete er 1997 die Jungle World mit und gab sie bis 2000 mit heraus. Wie andere Linke lehnte er den NATO-Krieg gegen Jugoslawien 1999 ab und wies dessen offizielle Begründungen 2000 als Propagandalügen zurück.[10] Später verabschiedete sich Elsässer jedoch von „antideutschen“ Positionen, schrieb wieder für die junge Welt und vertrat laut den Extremismusforschern Eckhard Jesse und Uwe Backes dort beispielhaft die an Lenins Imperialismustheorie orientierte Linie, die den Staat Israel ablehnt und mit radikalen palästinensischen Organisationen sympathisiert.[11]

In seinem Braunbuch DVU (1998) stufte Elsässer die rechtsextreme Partei Deutsche Volksunion als „nationalrevolutionär“ ein und erklärte, Linke hätten Probleme, „das Sozialistische im Faschismus“ zu erkennen, auch in der NSDAP. Diese Einschätzungen wurden von verschiedenen Autoren zurückgewiesen.[12]

Von April 1999 bis Dezember 2002 war Elsässer Redakteur des Politikteils der Monatszeitschrift konkret.[8] Dort kam es 2002 zu monatelangen heftigen internen Konflikten um die Haltung zum bevorstehenden Irakkrieg. Eine Gruppe um den Herausgeber Hermann L. Gremliza meinte, mögliche Angriffe des irakischen Diktators Saddam Hussein auf Israel verpflichteten die deutsche Linke, dem Sturz dieses Regimes mit deutscher Beteiligung zuzustimmen. Elsässer dagegen sah darin eine Abkehr vom Motto „Nie wieder Krieg“, das seit 1945 den pazifistischen „Minimalkonsens“ der westdeutschen Linken gebildet habe, mit Hilfe von aufgebauschten „Kriegslügen von links“. Nachdem er diesen Vorwurf in der jungen Welt gegen konkret erhoben hatte, entließ Gremliza ihn.[13]

Von April 2008 bis 15. Januar 2009 arbeitete Elsässer für die Tageszeitung Neues Deutschland, schrieb erneut Artikel für die Junge Welt und die Wochenzeitung der Freitag.[14]

Jürgen Elsässer beim Pressefest der Zeitung Neues Deutschland (Ende 2008)

Hinwendung zur politischen Rechten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 2000 ergriff Elsässer zunehmend Partei für den Panserbismus und für verurteilte serbische Kriegsverbrecher.[15] Er rechtfertigte die ethnische Politik von Slobodan Milošević und begrüßte 2006 das Bündnis der slowakischen Sozialdemokraten mit der als rechtsextrem eingestuften Slowakischen Nationalpartei als „Querfrontbündnis“ gegen die USA, das die Positionen deutscher Antifaschisten in Frage stelle.[3][16]

Im März 2006 widersprach Elsässer Antisemitismusvorwürfen gegen den Film Tal der Wölfe – Irak und forderte, die Friedensbewegung solle den Film als Argument gegen die Irakpolitik der USA nutzen. Laut dem österreichischen Journalisten Karl Pfeifer wandte sich Elsässer damit einer „Volksgemeinschaft“ zu, „in der Rechte und Linke sich gegen den gemeinsamen Feind mit Islamisten und türkischen Chauvinisten verbünden wollen.“[17]

Im Sommer 2006 gab Elsässer der rechtsextremen französischen Zeitung Le Choc du Mois ein Interview, das dort neben Interviews mit den Rechtsextremisten Jean-Marie Le Pen und Bruno Mégret (Front National) erschien. Darin behauptete er im Anschluss an den französischen Neurechten Alexandre del Valle ein heimliches Bündnis der USA mit Islamisten und vertrat weitere Verschwörungstheorien: Die tatsächlichen Herrscher in den USA seien die Neokonservativen Dick Cheney, Donald Rumsfeld und Paul Wolfowitz. Sie wollten weltweites Chaos herbeiführen, um die Waffen und das Erdöl der USA leichter und teurer zu verkaufen, und hätten vermutlich am 11. September 2001 auch ein Attentat auf US-Präsident George W. Bush versucht. Später veröffentlichte Elsässer das Interview als Buch (Wie der Dschihad nach Europa kam) im Schweizer Verlag „Xenia Editions“. Elsässer beriet damals die Linkspartei.PDS für den Untersuchungsausschuss zum Journalisten-Skandal.[3]

Im November 2006 schrieb Elsässer, mit Staatsgeldern werde „Multikulti, Gendermainstreaming und die schwule Subkultur gefördert, während die Proleten auf Hartz IV gesetzt werden und sich oft auch keine Kita, kein Schwimmbad und keine warme Wohnung mehr leisten können“. Das wurde als Plädoyer für eine Querfrontpolitik der Linksfraktion aufgefasst.[18] In seinem Buch Links oder lahm? (2006) plädierte Elsässer für Plebiszite als Weg zum Sozialismus, den die Bolivarische Revolution in Venezuela vorgemacht habe.[19] In seiner Publikation Angriff der Heuschrecken zur „Heuschreckendebatte“ plädierte er dafür, „Modernisierungsverlierer“ für eine Verteidigung des Nationalstaats gegen die „globalistischen Attacken der USA“ zu mobilisieren.[20]

Im Oktober 2007 plädierte Elsässer in einem Vortrag vor der nationalkonservativen Preußischen Gesellschaft in Berlin-Brandenburg für ein Querfrontbündnis „von links bis zur demokratischen Rechten“ oder „von Lafontaine bis Gauweiler“.[21] Er folgte damit dem Rechtsextremisten Horst Mahler, der Oskar Lafontaines Eintreten für die Tobin-Steuer 1999 begrüßt hatte: Erstmals seit Adolf Hitler habe ein deutscher Politiker „einen Unterschied gemacht zwischen dem schaffenden Kapital und dem raffenden Kapital“. Elsässer und Lafontaine traten bis 2007 öfter gemeinsam auf.[22] 2009 erschien Elsässers Vortrag als Buch (Nationalstaat und Globalisierung). Darin beschrieb er die Finanzkrise ab 2007 im ausdrücklichen Anschluss an Sahra Wagenknecht als „Herrschaft des Finanzkapitals“ und den Nationalstaat als einzigen noch wirksamen Schutz des „werktätigen Volkes“ dagegen. Das Schlusskapitel betitelte er „Alle Macht dem Volke“. Ohne die Notwendigkeit einer Querfront mit Rechten näher zu begründen, verlangte er hier bereits jene „Volksinitiative“, die er dann gründete.[23]

Am 10. Januar 2009 rief Elsässer in Berlin zum Aufbau einer „Volksinitiative gegen das Finanzkapital“ auf. Ein breites Bündnis „von Lafontaine bis Gauweiler“ solle den „bewussten Angriff des angloamerikanischen Finanzkapitals“ in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise abwehren. Dabei spiele der Nationalstaat „eine entscheidende Rolle“. Die „Volksfront“ müsse „die entschädigungslose Nationalisierung des Finanzsektors“ durchsetzen. Dazu kündigte Elsässer einen Kongress an, der auf keinen Fall marxistisch sein werde. Er schloss eine Zusammenarbeit mit der NPD aus. Der NPD-Vizevorsitzende Holger Apfel hatte Elsässers Vorstoß jedoch am Vortag begrüßt: Elsässer wolle „auf nationaler Grundlage den Dualismus von rechts und links durch die Schaffung einer antiglobalistischen und antiimperialistischen Gerechtigkeitsbewegung überwinden“. Die NPD und die neurechte Zeitschrift Junge Freiheit warben für Elsässers Aufruf.[24] Bei der Bekanntgabe der Volksinitiative waren auch Neonazis anwesend. Schon 2007 hatte das NPD-Vorstandsmitglied Jürgen Gansel Elsässers „Absage an Randgruppenkult, US-Hörigkeit und Israeltümelei“ gelobt.[25]

Die Linksfraktion dagegen distanzierte sich von Elsässers Initiative; Norman Paech sagte eine Diskussion mit ihm ab.[26] Weil Elsässer „an rechte Parolen angedockt“ habe, kündigte das Neue Deutschland ihm am 15. Januar 2009 den Autorenvertrag.[27] Beim Bremer Landesverband der Linkspartei durfte er seine Initiative am 19. Januar 2009 jedoch vorstellen.[28] Andere Linke kritisierten seinen Aufruf als endgültige Hinwendung zu einer nationalistischen Querfront in der Tradition des Nationalsozialisten Otto Strasser und des Rechtskonservativen Kurt von Schleicher (Reichskanzler vor Hitler).[29]

Im Juni 2009 begrüßte Elsässer die Wiederwahl des Staatspräsidenten Mahmud Ahmadinedschad bei der Präsidentschaftswahl im Iran 2009 als „schöne Schlappe für den Imperialismus“ der USA. Zu dessen Handlangern zählte er die inneriranische Opposition und begrüßte deren Unterdrückung.[30] Zu einer Konferenz der „Volksinitiative“ zum Thema „Der Euro vor dem Zusammenbruch“ (Berlin, 25. September 2010) lud Elsässer die Rechtspopulisten Nigel Farage (UK Independence Party), Karl Albrecht Schachtschneider und Wilhelm Hankel, rechte Esoteriker und Ökonomen wie Max Otte, Michael Mross und Edgar Most als Redner ein.[31] 2012 nahm Elsässer an einer Reise zu einer Privataudienz bei Ahmadinedschad in den Iran teil, die Yavuz Özoguz (Betreiber des islamistischen Online-Portals Muslim-Markt) organisiert hatte. Der Besuch wurde als Legitimierung des iranischen Unrechtsregimes scharf kritisiert, da Ahmadinedschad Holocaustleugnung vertrat und das Existenzrecht Israels bestritt.[32]

Chefredakteur von Compact[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Dezember 2010 wurde Elsässer Chefredakteur des Monatsmagazins Compact und Mitherausgeber neben Andreas Abu Bakr Rieger und dem Verleger Kai Homilius. Elsässer gab an, er wolle mit dem Blatt Debatten zwischen Linken und Rechten jenseits der „Political Correctness“ anstoßen. Er gewann jedoch überwiegend neurechte und rechtskonservative Autoren, die auch in der Jungen Freiheit schreiben. Ab der zweiten Ausgabe machte er Anti-Amerikanismus und Anti-Imperialismus zur Hauptlinie des Blattes.[33] Rieger verließ die Redaktion im November 2014 wegen „rassistischer und nationalistischer Positionen“, etwa zu Pegida und zur Russlandkrise.[34]

Compact wird als „Querfront-Magazin“[35] oder „rechtspopulistisches Magazin mit Hang zu Verschwörungstheorien[36] oder „Zentralorgan für Verschwörungstheorien“ und „momentane Speerspitze perfider Agitation gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung“ eingeordnet.[37]

Redner bei Mahnwachen und Legida[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 21. April 2014 trat Elsässer einige Male als Redner bei den von Lars Mährholz veranlassten „Friedensmahnwachen“ auf und lobte deren Teilnehmer, darunter NPD-Vertreter, als „die wahren Antifaschisten“, die aktuell gegen einen neuen Weltkrieg kämpften.[38] „Nicht links, nicht rechts, sondern vorwärts“, sei seine Parole.[39] Der gemeinsame Gegner des „Volkes“ sei die „internationale Finanzoligarchie“, als deren Vertreter er „die Herren Rockefeller, Rothschild, Soros, Chodorkowski“ namentlich hervorhob. Diese benutzten die Federal Reserve Bank, „um die ganze Welt ins Chaos zu stürzen“. Das Hervorheben einzelner jüdischer Bankiers als angebliche Lenker des globalen Finanzsystems und Drahtzieher internationaler Krisen wurde als traditionelles antisemitisches Klischee kritisiert.[40] Die Publizistin Jutta Ditfurth bezeichnete Elsässer mit Bezug auf ähnliche Aussagen bei den Mahnwachen als „glühenden Antisemiten“.[41] Elsässer klagte im Mai 2014 gegen diese Bezeichnung und erhielt in zwei Gerichtsinstanzen Recht (Juli und Dezember 2014). Er verkündete das als „Finalsieg über Ditfurth“.[42] Deutsche und israelische Journalisten kritisierten die Urteilsbegründung der ersten Instanz als Verengung des Antisemitismusbegriffs auf die Nazizeit.[43] Der Elsässer-Ditfurth-Prozess dauert noch an.

Elsässers Auftritte verursachten erhebliche Konflikte bei den Mahnwachen, die der neue Hauptredner Pedram Shahyar, ein früherer Attac-Aktivist, ab Mai 2014 auszugleichen versuchte. Daraufhin lud Mario Rönsch, der rechtsextreme Organisator der Erfurter Mahnwache und wahrscheinliche Betreiber der rassistischen Hetzseite „Anonymous.Kollektiv“, Elsässer demonstrativ als Hauptredner nach Erfurt ein. Shahyar kritisierte in einem öffentlichen Aufruf, Elsässer trete „immer wieder mit schlimmen Ausfällen gegen konkrete Personen und Personengruppen in Erscheinung“, und appellierte an die Mahnwachen, einen „humanistischen Grundkonsens“ zu schützen.[44] Gegen die Abgrenzung der ersten Berliner Mahnwache von Rassismus, Antisemitismus und Homophobie bildete sich im Juli 2014 eine zweite Berliner Mahnwache am Alexanderplatz, die Elsässer wieder reden ließ. Dabei sprach er erneut über eine von den „Eliten“ gesteuerte „Neue Weltordnung“, setzte Zionismus und Faschismus gleich und nannte die israelische Politik Völkermord.[45] Am 3. Oktober 2014 machte Elsässer auf der Berliner Mahnwache Bundeskanzlerin Angela Merkel persönlich für zahlreiche Missstände verantwortlich und rief dazu auf, „den Protest in das Herz der Bestie [zu] tragen. Anders geht’s nicht.“ Nachdem Hooligans gegen Salafisten (HoGeSa) bei einer Kundgebung in Köln Gewalt gegen Polizei geübt hatten, erklärte Elsässer auf seinem Blog, er würde die HoGeSa „zur nächsten Demo für Frieden und Souveränität einladen. Sonntag, 9. November, 13 Uhr, vor dem Bundeskanzleramt. […]“[46] Elsässer befürwortet die „Pegida“-Bewegung und deren Demonstrationen.[47] Am 21. Januar 2015 trat er als Redner auf einer „Legida“-Demonstration in Leipzig auf,[48] von der sich die Pegida-Leitung kurz zuvor distanziert hatte.[49] Im März 2015 verlangten einige Vertreter der Friedensbewegung, Elsässer von den Mahnwachen auszuschließen.[50]

Annäherung an die AfD[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elsässer näherte sich seit 2012 der AfD an und lud deren Vertreter Frauke Petry und Karl Albrecht Schachtschneider als Hauptreferenten zu den „Souveränitätskonferenzen“ von Compact 2013 ein. Er wurde seinerseits oft zu AfD-Veranstaltungen eingeladen und erklärte sich im April 2014 in Berlin öffentlich zum AfD-Anhänger. Im Oktober 2014 lud die AfD Witten ihn als Referenten zum Thema „Regieren uns die Medien?“ bei einem für März 2015 geplanten „Wissenskongress“ ein.[46]

Zur „4. Souveränitätskonferenz“ im Oktober 2015 lud Elsässer die AfD-Vertreter Alexander Gauland und Björn Höcke ein, die aus Termingründen absagten. Hauptthema der Konferenz sollte ein von Schachtschneider und dem rechtsextremen Publizisten Götz Kubitschek entwickelter „Plan für den Widerstand gegen die Abschaffung Deutschlands“ sein.[51]

Am 4. März 2016 trat Elsässer bei einer Veranstaltung der AfD in Ingolstadt auf. Ein Bündnis von Gewerkschaften, etablierten Parteien und Fangruppen des FC Ingolstadt 04 protestierte gegen den Auftritt.[52]

Haltung zu Russland und zum Ukraine-Konflikt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der transatlantische Historiker Andreas Umland nennt Elsässer „Kremlpropagandist“ und attestiert ihm ein konservatives Familienbild, NATO-Gegnerschaft und Antiamerikanismus. So kooperiere er mit dem russischen Auslandsfernsehsender RT, während seine Aktivitäten und Einschätzungen Gegenstand wohlwollender Berichterstattung russischer Staatssender wie Rossija oder der Stimme Russlands seien. Auch regierungsnahe oder staatliche russische Einrichtungen wie die Denkfabrik Institut für Demokratie und Zusammenarbeit und das Berliner Russische Haus unterstützten Elsässers Tätigkeiten, z. B. die Organisation politischer Konferenzen. Elsässer benutze, unter anderem im Zusammenhang mit der Krimkrise, dieselben apologetischen Argumentations- und Interpretationsmuster wie die russische Regierung und verbreite antiamerikanische Verschwörungstheorien. Sein erklärtes Ziel sei ein Bündnis mit Russland auf Grundlage der Ideologie des Eurasismus; so interviewte Elsässer 2013 den russischen Rechtsextremisten und Führer der internationalen Neoeurasischen Bewegung Alexander Geljewitsch Dugin. Des Weiteren unterstütze Elsässer den eine Verständigung mit Russland befürwortenden Flügel der AfD um Alexander Gauland.[53]

Einer ARD-Reportage zufolge nimmt Elsässer eine wichtige Rolle bei Versuchen ein, Deutschland im Sinne der russischen Regierung zu beeinflussen.[54] Nach Angaben des Medienmagazins Zapp hat Elsässer Kontakte zu dem in Berlin gegründeten Tolstoi-Institut, dessen Aufgabe eine entsprechende Einflussnahme auf die deutsche Öffentlichkeit sei.[55] Am 24. Juli 2016 wurde ein diesbezüglicher Screenshot eines Auszugs der Mitgliederliste der zugehörigen „geschlossenen Facebook-Gruppe“ veröffentlicht, der Elsässer als deren Mitglied ausweist.[56] Laut der Osteuropa-Historikerin Anna Veronika Wendland werde in Deutschland Wladimir Putins Politik überwiegend aus dem rechten Lager oder von den Linken unterstützt. Dies zeige sich beispielhaft an Elsässer, der als eher linker Autor begann und später zusammen mit Rechtsextremen gegen die Vereinigten Staaten kämpfte und für Verständnis für Russland warb.[57]

Haltung zur Flüchtlingskrise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angesichts der Flüchtlingskrise in Deutschland ab 2015 rief Elsässer am 13. September 2015 in seinem Blog die Soldaten der Bundeswehr dazu auf, auf eigene Faust die deutschen Grenzen gegen den weiteren Zustrom von seiner Ansicht nach illegalen Migranten zu sichern. Die öffentliche Zusicherung Angela Merkels, Deutschland werde Flüchtlingen aus Bürgerkriegsländern zumindest ein Bleiberecht gewähren, bezeichnete er als „von der Kanzlerin befohlene Selbstzerstörung“, gegen die die Soldaten ihre „Machtmittel“ einsetzen sollten. In der tageszeitung wurde vermutet, Elsässer wolle mit diesem kaum verhohlenen Aufruf zum gewaltsamen Umsturz absichtlich ein Ermittlungsverfahren provozieren, um auf die nächste „Souveränitätskonferenz“ seiner Zeitschrift Compact aufmerksam zu machen.[58]

Wissenschaftliche und journalistische Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits 2006 wies der antifaschistische Fachjournalist Karl Pfeifer darauf hin, dass sich Elsässer zum Nationalbolschewisten entwickelt habe und öffentlich mit Querfront-Strategien kokettiere.[59]

Für die Gründung seiner „Volksinitiative gegen das Finanzkapital“ wurde Elsässer scharf kritisiert. Thomas Vitzthum analysierte in Die Welt eine Querfront-Strategie, um eine Zusammenarbeit von rechts- und linksradikalen Antikapitalisten unter Betonung des Nationalismus herzustellen.[60] Die linke tageszeitung vermutete, der Wortlaut seiner Erklärung sei so formuliert, um „rechtsextreme Kreise explizit in sein Bündnis integrieren“ zu können. Die Redaktion des Neuen Deutschland warf ihm vor, er habe an „rechte Parolen angedockt“, die „höchst gefährlich“ seien, und beendete die Zusammenarbeit mit dem Autor.[61]

2010/11 attestierte ihm Mathias Brodkorb (Endstation Rechts) eine Wandlung „vom Antideutschen zum Antiimperialisten“. Überdies wolle er nunmehr „den Nationalstaat gegen das Finanzkapital in Stellung bringen“.[62]

Der Politikwissenschaftler Clemens Heni (2010) hält Elsässer für „seit einiger Zeit geistig abgedriftet“. Er schmiege sich „mittlerweile der Ideologie und Sprache des Nationalsozialismus sowie des heutigen Rechtsextremismus an“. Heni sieht in Elsässer – ähnlich wie in Henning Eichberg – einen „Freund des Islam“ und einen Gegner des Universalismus.[63]

Andreas Peham vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes bezeichnete Elsässer als „linksnational“.[64]

Der Historiker Volker Weiß (2014) attestierte Elsässer, der sich „von schrill links nach schrill rechts“ entwickelt habe, einen „prorussischen Kurs“. Elsässer habe eine „populistische Begabung“ und personifiziere gekonnt eine Querfront-Strategie.[65]

Der Historiker Olaf Glöckner (2015) stellt fest, Elsässer werde „inzwischen bescheinigt, zunehmend auch mit rechtspopulistischen Gruppierungen und mit der sächsischen PEGIDA-Bewegung zusammenzuarbeiten.“ Er pflege – wie auch in der Vergangenheit – bestimmte Feindbilder u. a. „internationales Finanzkapital“, „Kriegsbrandstifter“ und „Washington, London und Jerusalem“. Dabei nutze er Provokation und Demagogie. Man könne dies wohlwollend als „diffusen verschwörungstheoretischen Amoklauf“ interpretieren.[66]

Als „schrille[r], neurechte[r] Hasardeur[]“ wurde er von dem Soziologen Oliver Nachtwey (2015) bezeichnet.[67]

Auch der Rechtsextremismusforscher Helmut Kellershohn (2015) versteht Elsässer als einen „Querfrontler“[68] und „Nationalbolschewisten“.[69] Alexander Häusler nennt ihn einen „rechten Querfront-Publizisten“.[70]

Der Rechtsextremismusexperte Andreas Speit u. a. (2015) hält Elsässer für einen „Neuzugang im neurechten Lager“.[71]

Laut Richard Stöss, Politikwissenschaftler, komme Elsässer ursprünglich aus dem Linksextremismus. Mit seinem Monatsmagazin verfolge er eine „‚Querfront‘-Strategie“. Sein „intellektueller Beitrag für den zeitgenössischen Rechtskonservatismus [bewege] sich allerdings in bescheidenen Grenzen“. Es gehe eher um das Nähren von „Feindbildern, Verschwörungstheorien und Hassparolen“.[72]

Der Politologe Jürgen P. Lang (2016) beschrieb Elsässer als ehemaligen „kommunistischen“ Lehrer, der heute in einem „informellen, antiamerikanischen und prorussischen Netzwerk“ Einfluss habe und eine „populistische Querfront“ anstrebe. Elsässer habe sich von einem „antideutschen Publizisten“ zu einem „(rechts-)populistischen Agitator“ entwickelt, mit gleitenden Übergängen vom „Antideutschen zum Antiimperialisten und dann zum Deutschnationalen“.[1] Mit seiner Wortwahl kokettiere Elsässer in jüngster Zeit „auffallend häufig [...] bewusst haarscharf am Sprachgebrauch der Nationalsozialisten vorbei“. Lang attestierte ihm einen „Ritt am Rande des Abgrunds zum Rassismus“. Außerdem „beschritten [seine Publikationen] unaufhaltsam den Weg in den Sumpf der Verschwörungstheorien“.[73]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Autor
  • Gegen Finanzdiktatur. Die Volksinitiative: Grundsätze, Konzepte, Ziele. Kai Homilius, 2009, ISBN 978-3-89706-410-2.
  • Nationalstaat und Globalisierung. Manuscriptum, Waltrop / Leipzig 2009, ISBN 978-3-937801-47-6.
  • Terrorziel Europa. Das gefährliche Doppelspiel der Geheimdienste. Residenz, 2008, ISBN 3-7017-3100-4.
  • Wie der Dschihad nach Europa kam. Gotteskrieger und Geheimdienste auf dem Balkan. (2005) Kai Homilius, Berlin 2008, ISBN 978-3-89706-840-7.
  • Kriegslügen. Der NATO-Angriff auf Jugoslawien. (2004) Kai Homilius, Berlin 2008, ISBN 978-3-89706-511-6.
  • Angriff der Heuschrecken. Pahl-Rugenstein, Köln 2007, ISBN 3-89144-376-5.
  • Der deutsche Sonderweg. Diederichs, 2003, ISBN 3-7205-2440-X.
  • Deutschland führt Krieg. Konkret, 2002, ISBN 3-930786-37-0.
  • Make Love and War. Pahl-Rugenstein, Köln 2002, ISBN 3-89144-295-5.
  • Deutsche Demokraten. Wie rechtsradikal sind CDU und CSU? Werkstatt-Verlag, 2001, ISBN 3-923478-94-1.
  • Die Fratze der eigenen Geschichte. Von der Goldhagen-Debatte zum Jugoslawienkrieg. Elefantenpress, Berlin 1999, ISBN 3-88520-756-7.
  • Nie wieder Krieg ohne uns. Konkret, 1999, ISBN 3-930786-23-0.
  • Braunbuch DVU. Konkret, 1998, ISBN 3-930786-18-4.
  • Vorwärts und vergessen? Ein Streit um Marx, Lenin, Ulbricht und die verzweifelte Aktualität des Kommunismus. Konkret, 1996, ISBN 3-930786-06-0.
  • Wenn das der Führer hätte erleben dürfen: 29 Glückwünsche zum deutschen Sieg über die Alliierten. Konkret, 1995, ISBN 3-930786-02-8.
  • Krisenherd Europa. Nationalismus – Regionalismus – Krieg. Werkstatt-Verlag, 1994, ISBN 3-923478-89-5.
  • Antisemitismus, das alte Gesicht des neuen Deutschland. Dietz, Berlin 1992, ISBN 3-320-01795-0.
Herausgeber
  • Wladimir Putin. Reden an die Deutschen. Compact-Magazin GmbH, Werder 2014.
  • Malte Olschewski: Arabischer Frühling: Twitter und Flitter, Sex und Secret Service zwischen Tripolis und Damaskus. Kai Homilius, Berlin 2011, ISBN 3897064294
  • Wilhelm Hankel, Karl Albrecht Schachtschneider: Der Euro vor dem Zusammenbruch: Wie retten wir unser Geld? Kai Homilius, Berlin 2011, ISBN 3897064278
  • Andrea Ricci: Gaza – Die Kriegsverbrechen Israels. Kai Homilius, 2. Auflage, Berlin 2010, ISBN 3897064138
  • Wolfgang Freisleben: FED – Die Zentralbank des Geldes: Das geheime Machtzentrum der Welt. Kai Homilius, Berlin 2010, ISBN 3897064200
  • Jan Gaspard: Freimaurer und Illuminaten: Was noch nie über Geheimgesellschaften geschrieben wurde. Kai Homilius, Berlin 2010, ISBN 3897064251
  • Rudolf Hänsel: Game Over!: Wie Killerspiele unsere Jugend zerstören. Kai Homilius, 2010, ISBN 3897064006
  • Iran. Fakten gegen westliche Propaganda. Kai Homilius, Berlin 2009, ISBN 978-3-89706-414-0.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jürgen Elsässer – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Jürgen P. Lang: Biographisches Porträt: Jürgen Elsässer, Baden-Baden 2016, S. 225.
  2. a b Jürgen P. Lang: Biographisches Porträt: Jürgen Elsässer, Baden-Baden 2016, S. 226f.
  3. a b c Volkmar Wölk: Der (S)choc(k) des Monats – Oder: Wie Jürgen Elsässer zur extremen Rechten kam (2006)
  4. Steffen Kailitz: Die politische Deutungskultur im Spiegel des „Historikerstreits“: What’s right? What’s left? Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2001, ISBN 3-531-13701-8, S. 72 f. und Fn. 339-340
  5. Matthias Brosch: Exklusive Solidarität: linker Antisemitismus in Deutschland: vom Idealismus zur Antiglobalisierungsbewegung. Metropol, Berlin 2007, ISBN 3938690283, S. 399, Fn. 27
  6. Annette Mingels: Dürrenmatt und Kierkegaard. Böhlau, Köln 2003, ISBN 3412104027, S. 136 f. und Fn. 80
  7. Lars Rensmann: Demokratie und Judenbild. Antisemitismus in der politischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland. Springer, Wiesbaden 2004, ISBN 978-3-322-80454-9, S. 318, Fn. 1134
  8. a b Jürgen Elsässer (sopos.org, Dezember 2002): Mit Auschwitz lügen: Linke, Krieg und Antisemitismus (II)@1@2Vorlage:Toter Link/www.sopos.org (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  9. Anke Fiedler, Michael Meyen: Wer jung ist, liest die Junge Welt - Die Geschichte der auflagenstärksten DDR-Zeitung. Lit Verlag, Berlin/Münster 2013, ISBN 978-3-86153-749-6, S. 264.
  10. Reinhard Brühl, Lothar Schröter (Hrsg.): Bundeswehrreform – Reform der Bundeswehr: deutsche Militärpolitik und Bundeswehr am Beginn des neuen Jahrhunderts. Gesellschaft für Nachrichtenerfassung und Nachrichtenverbreitung, 2002, ISBN 3898191095, S. 84 und Fn. 14
  11. Eckard Jesse, Uwe Backes (Hrsg.): Jahrbuch Extremismus & Demokratie, Band 20, 2008. Nomos, 2009, ISBN 3832944524, S. 241f.
  12. Jens Mecklenburg (Hrsg.): Braune Gefahr: DVU, NPD, REP. Geschichte und Zukunft. Elefanten Press, Berlin 1999, ISBN 3-88520-721-4, S. 39 und 108f.
  13. Peter Nowak (taz, 7. Dezember 2002): „Konkret“ macht Politik; Jürgen Elsässer (sopos.org, Dezember 2002): Mit Auschwitz lügen: Linke, Krieg und Antisemitismus (II)@1@2Vorlage:Toter Link/www.sopos.org (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  14. Jürgen P. Lang: Biographisches Porträt: Jürgen Elsässer, Baden-Baden 2016, S. 230.
  15. Patrick Gensing, 3. Juni 2016: Jürgen Elsässer: Vom Antideutschen zum rechten Volkstribun
  16. Karl Pfeifer (HaGalil, 19. Juli 2006): Ein deutscher Nationalbolschewist begeistert sich: „Querfront-Regierung in der Slowakei“
  17. Karl Pfeifer (HaGalil, 13. März 2006): In bewährter Manier: Jürgen Elsässer propagiert „Tal der Wölfe“
  18. Ivo Bozic (HaGalil/ Jungle World 47/2006): Angst vor den Oskars: Linkspartei und Wasg wollen fusionieren. Oskar Lafontaine und andere SPD-Veteranen aus der Wasg blasen zum nationalbolschewistischen Angriff
  19. Jochen Staadt (FAZ, 6. Januar 2007): Mehr Ideologie wagen
  20. Bernhard Schmid (WOZ, 25. Januar 2007): Die Aliens kommen
  21. Wolfgang Wippermann: Preußen: Kleine Geschichte eines großen Mythos. Herder, Freiburg 2011, S. 145 und Fn. 286
  22. Michael Fischer: Horst Mahler. Biographische Studie zu Antisemitismus, Antiamerikanismus und Versuchen deutscher Schuldabwehr. KIT Scientific Publishing, 2015, ISBN 3731503883, S. 513, Fn. 57
  23. Mathias Brodkorb (Endstation Rechts, 11. Mai 2009): Ein Bündnis von „Lafontaine bis Gauweiler“: Der Querkopf Jürgen Elsässer bastelt an einer Volksinitiative zur Rettung des Nationalstaats
  24. Felix Lee, Veit Medick (taz, 12. Januar 2009): Anschlussfähig an extreme Rechte: Linkspublizist gründet Volksfront
  25. Thomas Vitzthum (Berliner Morgenpost, 16. Januar 2009): Linker Publizist von der NPD für „Volksfront“ gelobt
  26. Thomas Vitzthum (Die Welt, 16. Januar 2009): Anti-Kapitalismus: Linker Publizist von der NPD für „Volksfront“ gelobt
  27. Neues Deutschland, 15. Januar 2009: In eigener Sache: Neues Deutschland hat den Autorenvertrag mit Jürgen Elsässer beendet; Felix Lee, Veit Medick (taz, 15. Januar 2009): Wegen rechtsextremer Rhetorik. ND entlässt Volksfront-Gründer
  28. Andrea Röpke, Andreas Speit (taz, 20. Januar 2009): Umstrittener Gast: Linke streiten über „Volksfront“
  29. Max Brym (HaGalil, 19. Januar 2009): Der Rechtspopulismus des Jürgen Elsässer; Hans-Peter Büttner (Kritiknetz.de, 2009): Antisemitismus und Finanzkapital: Zur Kritik des völkischen Denkens des ehemaligen Linken Jürgen Elsässer
  30. Reinhard Mohr (Spiegel, 27. Juni 2009): Ein Slibowitz auf Ahmadinedschad
  31. Neues Deutschland, 22. September 2010: Zweifelhafte Stars
  32. FDP-Politiker bei Ahmadinedschad: Hübschers wundersame Reisegruppe. Spiegel Online, 4. Mai 2012
  33. Mathias Brodkorb (Endstation Rechts, 25. März 2011): Jürgen Elsässer und sein Magazin „Compact“ – Der Gottfried Feder des 21. Jahrhunderts?
  34. Wolfgang Storz: „Querfront“ – Karriere eines politisch-publizistischen Netzwerks. Otto-Brenner-Stiftung, Frankfurt am Main 2015, ISSN 2365-1962 (PDF)
  35. Erik Peter (taz, 16. April 2014): Im Kampf gegen die Medien-Mafia
  36. Antonie Rietzschel (Süddeutsche Zeitung, 6. September 2013): Konferenz mit Scholl-Latour, Herman und Sarrazin: Die Familienverschwörung
  37. Jürgen P. Lang (Bayerischer Rundfunk, 24. Januar 2016): Neue Rechte: Im Netz der Verschwörer
  38. Frida Thurm (Die Zeit, 22. April 2014): Proteste: Die ganz eigene Welt der Montagsdemonstranten
  39. Tagesspiegel, 21. April 2014: Neue Montagsdemos: Friedensbewegung mit Brauntönen
  40. Sebastian Christ (Huffington Post, 22. April 2014): Elsässer, Jebsen und die Montagsdemos: Warum die neue „Friedensbewegung“ so gefährlich ist (Memento vom 12. Juli 2014 im Internet Archive); Daniel Majic (Frankfurter Rundschau, 10. Juni 2014): Montagsdemonstrationen: Elsässers Schein-Triumph
  41. 3sat-Mediathek, 16. April 2014: Die neurechten Montagsdemos. Gespräch mit Jutta Ditfurth
  42. Dietmar Koschmieder (Junge Welt, 13. Dezember 2014): Bis zum Endsieg: Wie sich der rechte Frontmann Jürgen Elsässer links von den Kameraden Lars Mährholz und Ken Jebsen positioniert
  43. Benjamin Weinthal (The Jerusalem Post, 17. Oktober 2014): German judge sparks outrage, says anti-Semitism was only limited to Nazi period
  44. Kristiana Ludwig (taz, 24. Juni 2014): Politische Ausrichtung der Montagsdemos: Mission links
  45. Stefan Lauer (Vice.com, 22. Juli 2014): „Wer die Kritiker kritisiert, ist für das System“ — Die Montagsdemos kreisen weiter um sich selbst
  46. a b Günther Lachmann (Die Welt, 29. Oktober 2014): Die AfD als Plattform für „Wirrköpfe“ auf welt.de, Zugriff am 4. Dezember 2014.
  47. Wolfgang Jung: „Pegida“ will wieder demonstrieren, Mainpost vom 7. Dezember 2014.
  48. Sven Heitkamp & Thomas Schade: Leipzig im Ausnahmezustand, SZ-online vom 21. Januar 2015.
  49. Pegida-Ableger in Leipzig: Dresdner Original distanziert sich von Legida, Spiegel Online vom 21. Januar 2015.
  50. Taz, 15. März 2015: Der „Friedenswinter“ hat Probleme: Finger weg von Elsässer
  51. Rainer Balcerowiak (taz, 23. Oktober 2015): Rechte „Compact“-Konferenz: Jürgen Elsässer allein zu Haus
  52. Wegen Veranstaltung in Ingolstadt – Kritik an AfD-Chef Strixner, Süddeutsche Zeitung vom 4. März 2016
  53. Thomas Korn, Andreas Umland: Jürgen Elsässer, Kremlpropagandist. Die Zeit, 19. Juli 2014.
  54. Spiel im Schatten – Putins unerklärter Krieg gegen den Westen. ardmediathek.de, 4. Juli 2016, archiviert vom Original am 30. September 2016; abgerufen am 19. September 2016. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ardmediathek.de
  55. Bastian Berbner und Silvio Duwe: Kultur und Propaganda: Das Tolstoi-Institut (Memento vom 3. April 2015 im Internet Archive). In: Zapp, 1. April 2015.
  56. Steffi Reichert: Diether Dehm (Weltnetz.tv), das Tolstoi-Institut Berlin und die Neuen Rechten (streichphotography.wordpress.com, 24. Juli 2016)
  57. Anna Veronika Wendland: Левый неоимпериализм и состояние “российских” исследований: participant observation немецкого дискурса об украинском кризисе (Memento des Originals vom 4. März 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/shron.chtyvo.org.ua. In: Ab Imperio, 3/2014, S. 183–194. doi:10.1353/imp.2014.0094.
  58. Rainer Roeser: Höcke bei neurechtem Kongress „Ansturm auf Europa“. Blick nach Rechts, 15. September 2015; Rainer Balcerowiak: Ein rechtes Verständnis von Souveränität. In: tageszeitung vom 25. September 2015, S. 8.
  59. Karl Pfeifer: Ein deutscher Nationalbolschewist begeistert sich: „Querfront-Regierung in der Slowakei“. HaGalil, 19. Juli 2006.
  60. Linker Publizist von der NPD für „Volksfront“ gelobt, in: Die Welt vom 16. Januar 2009
  61. F. Lee, V. Medick (taz, 15. Januar 2009): Wegen rechtsextremer Rhetorik. ND entlässt Volksfront-Gründer
  62. Mathias Brodkorb, Stefan Bruhn: Zeitschriftenporträt: Hier & Jetzt. In: Uwe Backes, Alexander Gallus, Eckhard Jesse (Hrsg.): Jahrbuch Extremismus & Demokratie, 22. Jahrgang (2010), Nomos, Baden-Baden 2011, ISBN 978-3-8329-6050-6, S. 238–254, hier: S. 243.
  63. Clemens Heni: „Völkerbrei“: Elsässer und die Sprache des Nationalsozialismus (Memento des Originals vom 24. September 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.publikative.org. publikative.org, 6. Januar 2010.
  64. Heribert Schiedel: Extreme Rechte in Europa. Ed. Steinbauer, Wien 2011, ISBN 978-3-902494-54-2, S. 66.
  65. Volker Weiß: Warten auf die Sturmabteilung. In: Jungle World, Nr. 51, 18. Dezember 2014.
  66. Olaf Glöckner: Moralische Sieger? Linksintellektuelle „Israelkritik“ zwischen Provokation, Demagogie und Antisemitismus. In: Monika Schwarz-Friesel (Hrsg.): Gebildeter Antisemitismus. Eine Herausforderung für Politik und Zivilgesellschaft (= Interdisziplinäre Antisemitismusforschung. Bd. 6). Nomos, Baden-Baden 2015, ISBN 978-3-8487-1679-1, S. 75–92, hier: S. 85–88.
  67. Oliver Nachtwey: Rechte Wutbürger. Pegida oder das autoritäre Syndrom. In: Blätter für deutsche und internationale Politik 3/2015, S. 81–89, hier: S. 81.
  68. Helmut Kellershohn: Das Institut für Staatspolitik und das jungkonservative Hegemonieprojekt. In: Stephan Braun, Alexander Geisler, Martin Gerster (Hrsg.): Strategien der extremen Rechten: Hintergründe – Analysen – Antworten. 2. aktualisierte und erweiterte Auflage, Springer Fachmedien, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-658-01983-9, S. 462.
  69. Helmut Kellershohn: Das Institut für Staatspolitik und das jungkonservative Hegemonieprojekt. In: Stephan Braun, Alexander Geisler, Martin Gerster (Hrsg.): Strategien der extremen Rechten: Hintergründe – Analysen – Antworten. 2. aktualisierte und erweiterte Auflage, Springer Fachmedien, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-658-01983-9, S. 464.
  70. Alexander Häusler, Rainer Roeser: „Erfurt ist schön deutsch – und schön deutsch soll Erfurt bleiben!“. Das politische Erscheinungsbild der Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) in Thüringen. Hrsg. durch die Friedrich-Ebert-Stiftung, Landesbüro Thüringen, Erfurt 2015, ISBN 978-3-95861-322-5, S. 60.
  71. Konrad Litschko, Andreas Speit: „Neue Rechte“ radikalisiert Pegida. Die Anheizer. In: taz, 31. Oktober 2015, S. 5.
  72. Richard Stöss: Der rechte Rand des politischen Systems der Bundesrepublik. Bundeszentrale für politische Bildung, Dossier Rechtsextremismus, 7. Juli 2016.
  73. Jürgen P. Lang: Biographisches Porträt: Jürgen Elsässer, Baden-Baden 2016, S. 237–239.

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