Liebe Leserin, lieber Leser!

von Alexander Schürmann-Emanuely ,Robert Zöchling

Geschäftsführende Redakteure kommen und gehen, Context XXI bleibt. Darüber hinausgehende Anknüpfungen an kakanische Verwaltungsgrundsätze gibt es hier auch weiterhin nicht. Stattdessen gibt es die immer noch andauernde in-situ-Inspektion der Republik. Prüfauftrag: Gilt oder gilt nicht die Bundesverfassung? Oder: Sind in diesem Land Leuten von der Realverfassung eines Herrn Khol wo nicht politische, so wenigstens rechtliche Anstands-Grenzen zu ziehen? Derzeit mit der Prüfung beauftragt: Das Bezirksgericht Wien Innere Stadt im Wege der Klage wegen S 45.203,82 s.A. (gesetzwidrig vorenthaltene Publizistikförderung 1996). Dabei handelt es sich in der Hauptsache nicht um die S 45.203,82 s.A. (obwohl auch die existenziell abgängig sind), sondern — geschätztes Publikum, werte Gerichtsbarkeit — es handelt sich (wie unsere vortreffliche, rechtsfreundliche Vertreterin Maria Windhager feststellte) in der Hauptsache um die eklatante Beleidigung des Denkvermögens, die uns Herr Khol und seine Mitspieler zugemutet haben und gegen die wir uns mit allen Mitteln verwahren müssen, auch wenn’s uns schon zehnmal zu blöd geworden ist — denn schließlich ist das unser Metier. Das ist eben der Nachteil daran, wenn man noch ein Metier hat statt eines Jobs (wofür heute, wie schon den Stellenanzeigen zu entnehmen ist, keine Qualifikationen verlangt werden, sondern Krankheitsbilder). Man kämpft wo man kann gegen die staatlich organisierte Dummheit, die in dieser causa stinkend aus allen Ritzen rinnt. Gegen die nichtstaatlich organisierte muß es auch immer gehen: Dazu mögen die Beiträge zum Themenkomplex „Avantgarde und Hype“ in dieser Ausgabe einige Hinweise geben. Der Publizistikförderungs-Heckmeck ist — weil gedruckte Seiten dafür doch zu kostbar sind — nur im Web dokumentiert, dort dafür vollständig.

Im Zuge der Neustrukturierung der hübsch gewachsenen und verjüngten Redaktion haben Markus Blümel, Heide Hammer und Markus Zingerle die Koordination von Context XXI Radio übernommen, Stefan Künz und Jutta Sommerbauer besorgen von nun an die Redaktion von Context XXI Web. Ihr seht: Alle tun hier, was sie können. Alle? Ein vorzeitig Gealterter geht halt in den vorgezogenen Ruhestand, was dem im Herzen jünger Gebliebenen ermöglicht, sein selbstgewähltes Krankheitsbild samt dazugehörigen Qualifikationen jetzt erst recht so recht zum Ausbruch kommen zu lassen — laßt ihn womöglich dabei nicht alt ausschauen, denn das Metier des geschäftsführenden Redakteurs wäre treffender mit dem des Heckmeck-Redakteurs zu umschreiben. Wie der gehende Heckmeck Robert ist auch der kommende Heckmeck Alexander wahnsinnig genug, Finanzen für gesellschaftskritisch bedrucktes Papier auftreiben zu wollen und zu glauben, daß das funktionieren wird. Doch keine Sorge, der Qualm krawattenloser Zigaretten wird weiter das kleine Zimmer in der Schottengasse belegen und es wird weiterhin Léo Ferré gesungen werden, ohne kakanischen Accent und folgendermaßen:

Weder Gott noch Herr
Diese heiligen Worte
Die die Idioten in die Knie zwingen
Und in den bürgerlichen Schrecken
Noblesse und Stil bringen
Dieser Schrei ohne Ehrenlegion
Diese prophetischen Worte
Ich fordere und wünsche sie Euch
Weder Gott noch Herr

In diesem Sinn wünscht Euch der Alte alles Gute und der Neue sich Euer Interesse, Eure Kritik, Eure Teilnahme und Eure Unterstützung. Anders wird’s nicht gehen. Wenn Ihr es wollt und ermöglicht, kann dieses gesellschaftskritische Multi-Medium nicht nur bleiben, wie es ist, sondern wachsen, gedeihen und Euch allen mehr von allem bieten.

Erstveröffentlichung

Juni 2001 in Context XXI 3-4/2001
© Alexander Schürmann-Emanuely , Robert Zöchling

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