Calamus     

Vor vielen Jahren — beim Juridikum — haben wir uns aus Kostengründen mit der Möglichkeit beschäftigt, von Apple und XPress auf Atari und Calamus umzustellen. Bestärkt hat uns darin Gerhard Oberschlicks Pilotprojekt beim FORVM, der es seinerseits witzig fand, daß der zweite Calamus-Testpilot in Wien Hans Dichand war. Ich weiß allerdings nicht, ob Dichand das Programm im Produktionseinsatz getestet hat — G.O. jedenfalls schon und das hat sich hervorragend bewährt. Auch beim Druckwerk in Graz haben wir die Software mit Wohlgefallen im produktiven Einsatz gesehen (hinsichtlich der Größe unserer Delegation hatten wir allerdings jegliches Maß verloren — einen späten Dank für die Gastfreundschaft nochmals an die Grazer Kollegen).

Calamus selbst habe ich als clevere, schlanke Alternative zu XPress und — damals auch — PageMaker in Erinnerung. Schlank auch dadurch, daß es ohne PostScript arbeitete — was beim damaligen Stand der Entwicklung auch bewirkte, daß WYSIWYG besser funktionierte als bei XPress. Dafür brauchte man dann für die Ausgabe ein Hardware-Interface zum Satzbelichter, das man einerseits relativ günstig aus Deutschland importieren konnte. Andrerseits mußte das Teil naturgemäß beim Belichter — also dem freundlichen gewerbetreibenden Eigner des Satzbelichters — installiert werden, mit dem man so quasi die Ehe schloß.

Das allein hätte uns von unserem Vorhaben nicht zwingend abgehalten — entscheidend war vielmehr, daß es Calamus weiland eben nur für Atari gab und wir auf die Zukunft dieses Systems nicht wetten wollten. Darin hat uns die Geschichte jedenfalls Recht gegeben.

Heute gibt’s Calamus für Windows, MacOS und Linux. Das spricht dafür, daß es sich über die Jahre doch bewährt hat, irgendwo. Wenn ich heute noch (a) im Geschäft und (b) lustig wäre, würde ich mich damit nochmals beschäftigen, vielleicht.

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Im World Wide Web

  • Calamus

    Die Hersteller-Website. Nicht bestechend übersichtlich, dafür umfangreich. Und vergleichsweise billig ist Calamus immer noch.

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Calamus (Software) bei Wikipedia

Calamus
Entwickler invers Software
Aktuelle Version Calamus SLC 2015 (Win, Mac, Atari TOS)
(2015)
Betriebssystem Windows, MacOS, TOS
Kategorie Desktop-Publishing
Lizenz proprietär
deutschsprachig ja
www.calamus.net
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Calamus ist ein rahmenorientiertes Layout- und DTP-Programm, das ursprünglich in Deutschland für Atari-ST-Computer entwickelt wurde. Atari verkaufte das Programm als Schwarz-Weiß-Version ab dem 1. Juli 1987 eine Zeit lang zusammen mit dem MegaST und einem Laserdrucker als Komplett-DTP-System. Der Name Calamus leitet sich von der lateinischen Bezeichnung eines Schreibgerätes aus Schilfrohr ab (siehe Kalamos).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem die ursprüngliche, deutsche Rechteinhaberin DMC GmbH mit Calamus SL eine Farbversion entwickelt und ab dem 24. Mai 1991 erfolgreich am damaligen (Atari-)Markt platziert hatte, spaltete sie die Entwicklung in zwei unabhängige Zweige auf und ließ eine dänische Entwicklercrew unter Thomas Nielsen eine native Windows-Version entwickeln. Die Windows-NT-Version kam zeitgleich mit der neuen Microsoft Software auf den Markt. Strategische Vertriebspartner wurden neben Digital, Olivetti auch Siemens. Da der Erfolg des neuen Windows NT zulange auf sich warten ließ, verkaufte DMC schließlich aus finanziellen Gründen die Rechte an die kanadische Softwarefirma MGI, die vorher u.a. Calamus in Nordamerika vertrieben und mit einfachen Windows-Programmen wie Photosuite und VideoWave einen Namen als Massensoftware-Hersteller errungen hatte. MGI wurde von der amerikanischen Softwarefirma Roxio geschluckt, von der Ulf Dunkel 2002 alle Calamus-Rechte für seine deutsche Softwarefirma invers Software zurückkaufen konnte. Invers Software hatte schon vorher exklusiven Support und Produktpflege des ursprünglichen Calamus SL übernommen, über die Jahre immer mehr Rechte externer Module gekauft und das Originalprogramm Calamus SL kontinuierlich weiterentwickelt. Das Programm wird auch weiterhin gepflegt und verbessert. Es enthält Funktionen zum PDF-Export (Bridge-Modul mit PDF-Export seit 1996) und PDF-Import (Calipso 3 PRO-Modul seit 1998).

Calamus SL hatte 2015 etwa 4.250 aktive Nutzer weltweit.

Calamus' intelligentes Kerning[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kerning in Calamus funktioniert mit jeweils acht Streifen, die sich links und rechts an den Glyph anschmiegen.

Anstatt Kerningpaare oder einfache Bemaßungen benachbarter Zeichen zu verwenden, enthalten die nativen Calamus-Fonts Abstandwerte links und rechts jedes Zeichens in acht verschiedenen Höhenstufen.[1] Anders als die Kerning-Informationen in anderen Formaten werden die daraus resultierenden Streifen verwendet, um Zeichen optimal aneinanderzuschmiegen, selbst wenn die Zeichen aus verschiedenen Schriften stammen oder unterschiedliche Größen haben.

Im Unterschied dazu sind Kerning-Informationen in OpenType und TrueType-Schriften so implementiert, dass sie nur funktionieren, wenn die benachbarten Zeichen von der gleichen Schrift stammen, was manchmal zu Zeichen-Verschmelzungen oder schlechtem Kerning führen kann. Eine Alternative hierzu ist, optisches Kerning zu nutzen, bei dem die Formen des Zeichens analysiert werden, um die passenden Abstände zu ermitteln. Calamus' Ansatz kann als eine Simplifizierung dieses Prinzips angesehen werden, bei dem mit einer kleinen Schriftgröße des endgültigen Zeichens gearbeitet wird.

Software-RIP[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Calamus selbst ist ein Software-RIP (Raster-Image-Prozessor) und unterstützt verschiedene, einstellbare Rasterpunkt-Formen und -Größen zur gleichen Zeit. Rasterinformationen werden pro Dokument, Seite oder sogar pro Rahmen behandelt. Das Programm benutzt zudem die einzigartige, beachtenswerte Methode der angeschnittenen Rasterpunkte, bei denen Rasterpunkte an bestimmten Kanten abgeschnitten oder geclippt werden können, abhängig von den verwendeten Dokument-Layoutelementen. Daher benötigt es keinen externen RIP für die Interpretation, das Rendern und Rastern eines Dokuments. Mittels eines speziellen Moduls unterstützt Calamus Punkt-Rasterung (unter dem Begriff Star Screening), eine frequenzmodulierte Halbton-Darstellungsmethode (auch Stochastisches Rastern oder FM-Rastern genannt).

Versionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inzwischen ist Calamus SL durch einen integrierten Emulator auch unter Windows nutzbar. Mit der Zusatzsoftware MagicMac(X) kann man Calamus zudem auf Apple-Computern einsetzen. Auf beiden Gastplattformen nutzt Calamus durch die benötigten Emulatoren sowohl Atari-Code als auch nativen Code zur Geschwindigkeitssteigerung. Calamus erkennt die auf dem Wirtssystem installierten Drucker und kann diese nutzen.

MagicMac(X) ist jedoch nur auf Rechnern bis Mac OS X 10.6.8 lauffähig, Mac OS X Lion wird nicht mehr unterstützt, da das Apple Carbon Framework, das ursprünglich als Brückentechnologie von Mac OS zu Mac OS X eingeführt wurde, nicht mehr unterstützt wird. Andreas „Kaos“ Kromke arbeitete jedoch an einem neuen Cocoa-basierten Emulator – Arbeitstitel „Atari X“, der sich im fortgeschrittenen Beta-Stadium befindet und unter dem Calamus SL R8 bereits lauffähig ist. Andreas Kromke hat die Weiterentwicklung von „Atari X“ abgebrochen und die Quelltexte an Calamus-SL-Entwickler und Vertreiber Ulf Dunkel übergeben. „Atari X“ läuft im Fenster passabel unter Mac OS X Lion - ohne Druckerunterstützung, kann aber nur vermarktet werden, wenn es mit der aktuellen macOS-Version kompatibel ist.

Für Mac OS X hat invers Software einen neuen, nativen Publisher unter dem Namen iCalamus entwickelt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. How flexible are the Macintosh outline fonts?. Abgerufen am 29. Februar 2016. Google-Groups-Thread vom 12.07.1989

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